Dienstag, 8. August 2017

Lecker, lecker: Meine ersten drei Monate Low Carb High Fat

Bisher habe ich mich hochmotiviert in jede neue Diät - im Sinne von Ernährungsumstellung - gestürzt. Jedes Mal war ich der felsenfesten Überzeugung, genau das Richtige gefunden zu haben, um gesund und dauerhaft abzunehmen. Ich würde es schaffen und träumte schon von bauchfreien Tops beim Sport und hübschen Sommerkleidchen. Geklappt hat es höchstens kurzfristig, dann ging das Gewicht wieder nach oben. Seit ich meine Diätgeschichte vor über 20 Jahren gestartet hatte, habe ich noch nie mein Zielgewicht erreicht. Diesmal, mit LCHF, ist es irgendwie anders. Ich bin immer noch skeptisch, dabei habe ich noch nie so leicht und vor allem so gut gelaunt abgenommen. Meine Abnahme ist langsam, aber kontinuierlich.

Salat immer gerne, Mais und Bohnen sind bei LCHF aber eher die Ausnahme.

Als Mama hat man Tag und Nacht schon Trubel genug, da sollte nicht auch noch zusätzlich der Magen knurren. Die Hoffnung, dass der Flausch von selbst verschwindet habe ich aufgegeben. Das hat nach meiner ersten Schwangerschaft nicht geklappt und nach der zweiten wird das erst recht nicht der Fall sein. An meine Traumdiät - und ich meine Diät immer im Sinne von Ernährungsumstellung - stelle ich folgende Ansprüche: Sie soll unkompliziert und alltagstauglich sein und mir schmecken. Ist das zu viel verlangt? Das dachte ich lange Zeit. Dann habe ich LCHF entdeckt.

Ich glaube, ich bin gesundheitlich gesehen gut mit einer Kohlenhydrate-Völlerei die letzten Jahre davon gekommen. Ich könnte mir vorstellen, weil ich mich zum einen bewegt habe, also weniger sportlich, aber aktiv im Alltag. Oder eventuell, weil ich nicht nur viele Kohlenhydrate, sondern auch viele Ballaststoffe gegessen habe. Stichwort Clean Eating, echte Lebensmittel. In der Natur kommt das Gift immer zusammen mit dem Gegengift. Zucker und Kohlenhydrate sind in der Regel vergesellschaftet mit Ballaststoffen, wie z. B. in Obst oder Möhren oder Hülsenfrüchten. Falls nicht, z. B. im Fall von Honig oder Ahornsirup, ist es erstens schwierig an eine große Menge ranzukommen und zweitens gibt es diese Leckereien auch nicht das ganze Jahr über. Es ist wie mit dem Obst, früher war die Verfügbarkeit saisonal begrenzt. Jetzt nicht mehr, wir können das ganze Jahr über Ananas, Mangos und sogar Erdbeeren kaufen. Erdbeeren im Januar? Das ist doch irgendwie pervers.

Aber obwohl ich mich doch eigentlich gesund ernährt habe, hat das mit der Abnahme einfach nicht geklappt. Dabei kann ich in jedem anderen Bereich meines Lebens wahnsinnig diszipliniert sein. Wenn ich mir ein (realistisches) Ziel setze, dann erreiche ich dieses auch. Es gibt nur eine Ausnahme: mein Gewicht. Ich habe es wirklich probiert, ich habe schon zig Diäten gemacht, einen Haufen Geld ausgegeben, Unmengen an Diätbüchern gekauft und unendlich viel Zeit investiert. Manchmal glaube ich, dass ich deswegen unter anderem Ernährungswissenschaften studiert habe: Um die perfekte Diät für mich zu finden. Geklappt hat es nicht. Stattdessen bin ich von einer Diät zur nächsten gehüpft, mit Fressphasen dazwischen, in denen ich alles nachgeholt habe, was ich mir die Wochen vorher versagt hatte. Und noch ein kleines bisschen mehr. Ich habe mich die letzten 20 Jahre fettgehungert. Vor zwei Jahren habe ich die Diäten aufgegeben, weil ich endlich kapiert hatte, dass sie nichts bringen. Gewusst habe ich es schon lange, aber ich bin doch immer wieder auf die Hoffnung einer schnellen Lösung reingefallen. Die neue Wunderdiät, 10 Kilo in 10 Tagen. Es ist doch einfach so verlockend, gerade wenn das nächste Klassentreffen oder der Urlaub ansteht. Resigniert habe ich nicht, meine Traumfigur wollte ich nach wie vor erreichen. 

Ich habe angefangen zu glauben, dass ich einen Bereich meines Lebens brauche, in dem ich nicht unglaublich diszipliniert sein muss. In dem ich mich gehenlassen kann. Und das war bei mir das Essen. Ich bin ein Genießer und liebe es, in Gesellschaft zu essen. Essen ist nicht nur reine Nahrungsaufnahme, es ist auch ein großes Stück Lebensfreude. Schon die Zubereitung macht mir Spaß. Kochen und Backen ist mein Yoga. Wenn ich nicht genügend schlafe und/oder Hunger habe, bin ich unausstehlich. Mein Hunger hat letztendlich jede Diät beendet. Gewicht habe ich nur verloren, wenn ich mit knurrendem Magen ins Bett bin. Und wer will das schon auf Dauer? Also ich nicht.

Was aber, wenn ich gar nicht undiszipliniert bin? Wenn ich gar nichts dafür kann, dass ich zu dick bin? Wenn ich einfach ein Opfer meiner Hormone bin? Jaja, typisch Frau, denkt da vielleicht der eine oder die andere. Immer sind es die Hormone. Schön die Verantwortung weit von sich schieben. Das Leben ist so viel entspannter, wenn man sich in der Opferrolle sieht. Weit gefehlt! Wenn ich ein Opfer meiner Hormone bin, dann kann ich das ändern. Dann will ich das ändern. Ich will mich nicht bedauern oder resignieren. Das liegt mir nicht. Ich bin jemand, der gerne die Kontrolle hat. Aber wie bekomme ich die Kontrolle über meine Hormone und damit mein Essverhalten zurück? Daran arbeite ich noch. Ich halte euch auf dem Laufenden!

LCHF macht Spaß und es schmeckt. Aber ehrlich gesagt warte ich immer noch auf die Schlupflöcher, die ich bisher bei jeder Diät entdeckt habe und die jedes Mal der Anfang vom Ende waren. Ich habe ein bisschen Angst, dass mir das Thema Brot zum Verhängnis werden könnte. Diese ganzen Eiweißbrote schmecken zwar teilweise nicht schlecht, aber mit einem echten Brot können sie nicht mal ansatzweise mithalten. Das "mehr" an Fett tut mir gut, meine Haut ist schön, meine Verdauung perfekt und schmecken tut es ja sowieso. Der Geschmack könnte mir aber auch zum Verhängnis werden. Ich habe mich an das Fett gewöhnt, esse größere Portionen und merke, wie das langsam aber sicher meine Abnahme verlangsamt. Trotzdem wage ich zu hoffen, dass ich endlich bei "meiner" Ernährung angekommen bin. Zu hoffen, dass ich endlich etwas gefunden habe, das funktioniert und mir gleichzeitig Spaß macht und - jetzt kommt's! - das bis auf weiteres meine neue normale Ernährung werden könnte. Ich sehne mich schon manchmal nach mehr Kohlenhydraten. Ich vermisse manchmal Pasta, aber wenn ich dann einen kleinen Bissen probiere, schmeckt es gar nicht so gut. Nicht mehr. Die Sache mit dem Brot ist schon schwieriger, aber bisher geht es. Du lieber Himmel, ich hätte es nie für möglich gehalten und in China fällt gerade bestimmt vor Schreck ein Sack Reis um. Ich bin ein Low-Carber und jetzt kommt's: Ich will bis auf weiteres einer bleiben!

Liebe Grüße
Antonie

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