Mittwoch, 28. Juni 2017

Der ganz normale Mamawahnsinn beim Mittagessen

Noch vor ein paar Wochen fand ich das Mittagessen mit meinen beiden kleinen Männern einfach nur furchtbar stressig. Von unserem Großen war ich in Sachen Brei ganz schön verwöhnt. Er hielt sich links und rechts am Hochstuhl fest, sperrte seinen Schnabel auf und dann konnte es gar nicht schnell genug gehen. Bei unserem Kleinen war das Breifüttern von Anfang an ein Drama. Wir waren uns schnell einig: Er wollte keinen Brei essen und ich hatte auch keine Lust, ihm den Brei zu füttern. Zumindest nicht so. Mit acht Monaten ist er daher komplett auf feste Nahrung umgestiegen, ohne einen einzigen Zahn, und war glücklich damit. Ich hätte ihm gleich richtiges Essen geben sollen, das hätte mir einige Wochen Stress beim Mittagessen erspart. Im Nachhinein ist man immer schlauer. Mittlerweile isst er ganz alleine - wie es danach unter seinem Stuhl aussieht, das ist eine andere Geschichte. Der Große kann prima essen ohne dass wir danach renovieren müssen. Wir haben nur leider sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, was ich kochen soll. Am liebsten würde er jeden Tag Grießbrei, Pfannkuchen oder Milchreis essen. Bis er zwei Jahre alt war, hat er absolut alles gegessen. Jetzt nicht mehr. Aber ich bin guter Dinge. Das ist das Schöne an Kindern, alles ist immer nur eine Phase.

Brokkoli zum Mittagessen? Mal wird geschaufelt, mal wird verweigert. Der ganz normale Mamawahnsinn eben.


Bei wem die Phase schon vorbei ist, kann wahrscheinlich über die nächsten Zeilen schmunzeln. Alle anderen: Haltet durch! In Ruhe essen kann ich immer noch nicht, aber es kommen auch wieder andere Zeiten. Daran halte ich mich fest. Ich werde nicht ewig während jeder Mahlzeit tausendmal vom Tisch aufstehen müssen. Irgendwann wird mein Essen tatsächlich noch heiß sein, wenn ich es verputze. Welch wunderbare Vorstellung! Aber es ist schon viel entspannter geworden. Wenn ich mich daran zurück erinnere, wie bis vor kurzem unser Mittagessen noch aussah. Auweia...

Kind 1 fegte zur Haustür herein, schmiss Jacke und Mütze auf den Boden und kickte die Schuhe mit "oh, da ist ja Sand drin" mitten in den Flur. Nach dem Händewaschen rannte es zum Esstisch: "Was hast du gekocht, Mama?". Ich, mit Kind 2 auf dem Arm, hatte noch nicht mal Schuhe ausgezogen und rief vom Flur aus: "Es gibt Reis, Brokkoli und Frischkäsesoße." Kurze Stille im Esszimmer, dann kam ein sehr lautes: "Ich will aber Grießbrei!" Mittlerweile hatte ich mich Jacke, Sonnenbrille und Kind 2 entledigt. Ich wusch Hände während Kind 2 einen plötzlichen Angriff auf die Klobürste unternahm. "Bah, das ist bah!" Kind 2 war wenig beeindruckt. Also schnappte ich es mir zum Händewaschen. Die Badüberflutung ging in die zweite Runde. Kind 1 hockte mit vorwurfsvollem Blick am Tisch und machte seinem Unmut Luft: "Warum hast du keinen Grießbrei gekocht, Mama? Ich wollte heute Grießbrei!" Mittlerweile saß auch Kind 2 im Hochstuhl. "Heute ist kein süßer Tag, heute ist Gemüsetag." "Grießbrei ist Gemüse!" "Du weißt genau, dass Grießbrei kein Gemüse ist." Natürlich wusste Kind 1 das und fing resigniert an, Reis und Brokkoli in seinen Teller zu schaufeln.

"Warte bitte, bis alle sitzen, damit wir gemeinsam essen." Ich war gerade damit beschäftigt, den Brei für Kind 2 zu holen. Dem dauerte das viel zu lange. Es kommentierte meine Langsamkeit mit einem ungeduldigen "hhhhmmmm, hhhhmmm, hhhhhmmmm". Kind 1 fing währenddessen an zu essen. Klarer Fall von Kurzzeitgedächtnis. "Warte bitte noch eine Minute!" Als Antwort bekam ich: "Das war kein richtiger Bissen, ich habe nur probiert, ob es schmeckt." "Ok, jetzt warte bitte, bis wir alle sitzen." Kind 1 schaufelte sich mehr in den Teller und produzierte dabei ein Stilleben aus Gemüse und Reis auf dem Tisch. Die Soße hatte ich wohlweislich außer Reichweite gestellt. Ich unterdrückte ein Augenrollen und pickte den Großteil des verstreuten Essens in den Teller von Kind 1 und ertränke es in Soße. Das ungeduldige "hhhhmmmm" von Kind 2 war mittlerweile in ungehaltenes "ääääähhhh, äääääh, ääääähhhhh" übergegangen. Sein Schüsselchen war in greifbare Nähe gerückt, aber warum war noch nichts in seinem Mund gelandet?!

Endlich saß ich. Der Teller von Kind 1 war bereits zur Hälfte leer. "Ich bin Erster!" "Natürlich bist du Erster, sonst hat ja noch keiner angefangen." Kind 2 nahm die weitere Verzögerung zum Anlass, lautstark loszubrüllen und ich stopfte ihm schleunigst den ersten Löffel in den Mund. Eine Sekunde Stille, ich atmete erleichtert aus. Dann war der Teller von Kind 1 leer. "Ich bin Erster und du bist Letzter, Mama!" "Die Mama hat ja auch noch gar nicht angefangen zu essen." "Du bist trotzdem Letzter!" "Ich mache gar nicht mit. Ich füttere gerade deinen kleinen Bruder." "Du bist trotzdem Letzter." Das führte zu nichts und daher begnügte ich mich mit einem Grummelgeräusch, das Kind 1 offensichtlich zufrieden als Bestätigung auffasste. Kind 2 hatte die Konversation zum Anlass genommen, sich seinen Fenchel-Reis-Rotbarsch-Brei in die Haare, in die Augen und das rechte Ohr zu schmieren. Mit sich ebenfalls sehr zufrieden, erinnerte es mich nun lautstark daran, dass bitte weitergestopft werden muss. Während ich unter großem Protest versuchte, den Brei aus dem Gesicht von Kind 2 zu entfernen, ergänzte Kind 1 das Stillleben auf dem Tisch um ein paar weitere Elemente und schaufelte sich Teller zwei rein. "Ich bin schon wieder erster!" Ging das schon wieder los. Diesmal rollte ich wirklich mit den Augen. "Ja, du bist Erster und die Mama ist Letzte." Ich hatte es mittlerweile aufgegeben, Kind 1 faire Wettbewerbsbedingungen zu erklären. "Ich bin fertig. Darf ich aufstehen und spielen?" Eigentlich wäre es mir am liebsten, wenn wir alle gemeinsam essen würden. Da ich keine Lust auf ein ungeduldiges Kind hatte, dass auf seinem Platz rumhampelt und nörgelt, wischte ich Kind 1 die Essensspuren aus dem Gesicht und entließ es. "Nur ganz ausnahmsweise, Mama." Na gut. Als ich noch keine Kinder hatte, war ich definitiv konsequenter in der Kindererziehung. Kind 2 übte sich derweil in Brausebussis. Leider war sein Mund noch nicht ganz leer. Mein T-Shirt war mit Breisprenkeln verziert. Ich stopfte schnell weiter.

Kind 2 war nun schon einigermaßen gesättigt, sodass ich es wagen konnte, in die Küche zu gehen und die Breisprenkel abzuwischen. Den ganzen Tag nach Fisch zu müffeln war einfach keine Option. Währenddessen rührte Kind 2 in seinem Lätzchentrog und verteilte den Brei großflächig. Nun war der Brei auch im linken Ohr angekommen. Egal, ich würde es wegputzen, sobald wir mit dem Essen fertig waren. Apropos Essen... Ich schluckte gerade verzückt den ersten Bissen, da kam von Kind 1: "Ich bin Feuerwehrmann Sam und du bist Penny, Mama." "Kannst du bitte alleine spielen, damit die Mama in Ruhe essen kann?" In Ruhe war etwas übertrieben, da ich immer noch damit beschäftigt war, Kind 2 zu füttern. "Aber du sollst mit mir spielen. Jetzt!" "Ich habe noch nicht mal richtig angefangen zu essen." "Aber ich kann nicht alleine spielen." "Wenn du nicht alleine spielen kannst, dann musst du dich wieder an den Tisch setzen und warten, bis wir alle fertig sind." Ich fuhr die schweren Geschütze auf, was bei Kind 1 ankam. Zumindest für eine Minute. "Kann ich Bob der Baumeister hören?" Ich verkniff mir ein "Kann ich mittags mal in Ruhe essen" und sagte stattdessen: "Ok, dann mach die CD an." Gesagt, getan. Kind 1 und ich hörten zum hundertsten Mal "Baggi allein zuhaus". Kind 1 sprach mit, ich versuchte nicht hinzuhören und widmete mich weiter meinem Mittagessen. Währenddessen setzte Kind 2 mit seiner Wasserflasche das Tischchen seines Hochstuhls unter Wasser, verdünnte die Breispuren darauf und trank gelegentlich den einen oder anderen Schluck. Schließlich wurde mir die Panscherei doch zu bunt. Den Flaschenverlust quittierte Kind 2 mit lautem Protestgeschrei, während Kind 1 sich beschwerte, dass es gar nichts von seiner CD verstehe.

Mit einem Apfelschnitz wollte ich mir gerade noch ein paar Minuten Ruhe erkaufen. Während ich diesen für Kind 2 in der Küche holte, verschwand Kind 1 Richtung Badezimmer. Na hoffentlich dauerte das eine Weile. Ich setzte mich und wollte gerade die Gabel zum Mund führen, da kam aus dem Badezimmer ein lautes: "Mama! Maaaaamaaaa!" Ich ging also nachsehen, aber Kind 1 wollte mir nur eine Säge in dem neuesten Baumarktprospekt zeigen. "Mein Schatz, ich esse noch und die Säge hast du mir schon ganz oft gezeigt. Rufst du mich bitte erst wieder, wenn du fertig bist?" "Ok, Mama." Kind 2 stellte ich mit dem zweiten Apfelschnitz ruhig und machte mich weiter über mein Essen her. Zumindest versuchte ich es. "Mama! Maaaaamaaaa! Ich muss dir was zeigen!" "Die Mama isst noch." Zwei Sekunden Stille. "Dann bin ich jetzt fertig!" Ich warf meinem mittlerweile kalten Mittagessen einen weiteren sehnsuchtsvollen Blick zu und stand wieder auf. Als ich eine Minute später zurückkam, erwartete mich ein äußerst zufriedenes Kind 2, von dem ein ziemlich übler Geruch ausging. Also noch schnell Windelwechseln, Gesicht abwischen und ab gings zum Spielen.

Eine Stunde nachdem wir zur Haustür reingekommen waren, aß ich nun endlich mein kaltes Mittagessen, während die Kinder friedlich auf dem Boden zusammen spielten. Na bitte, geht doch. Es wäre mal wieder so viel schlauer gewesen, gleich mit meinem Essen zu warten, bis die Meute abgefüttert ist. Ich frage mich wirklich, ob diese nostalgische Vorstellung von in Ruhe zusammen essen bei anderen Mamas funktioniert. Bei uns jedenfalls nicht, noch nicht. Ob mein Mann wohl gerade in der Sonne sitzt und ganz in Ruhe zu Mittag isst? Der muss weder jemanden füttern, noch irgendwelches Essen aufsammeln, noch zehnmal aufstehen, noch den Boden putzen oder Popos abwischen. Morgen gehe definitiv ich auf die Arbeit...

Wie ergeht es euch bei den Mahlzeiten? Habt ihr Breikinder oder macht ihr Babyled Weaning? Wie lange haben eure Kinder Brei gegessen und wann seid ihr umgestiegen? Ich freue mich auf eure hoffentlich ebenso chaotischen Einblicke.

Liebe Grüße
Antonie
 

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