Mittwoch, 21. Juni 2017

Intervallfasten: Eine Frage des Timings

Hast du dich schon einmal gefragt, warum so viele Französinnen schlank sind? Scheinbar mühelos? Dabei essen die doch Croissant zum Frühstück, schmieren gerne dick Butter obendrauf und trinken auch noch Café au Lait dazu. Diese Kaloriiiiiiien! Und das Abendessen erst: Stundenlang wird geschlemmt! Es gibt Baguette, Wein zum Essen und den Magen schließt fettiger, französischer Fromage. Als Kind war ich regelmäßig zu Besuch bei einer befreundeten Familie in Frankreich. Die drei Töchter, die Jüngste war in meinem Alter, hatten alle perfekte Figürchen. Die Eltern waren selbstverständlich auch schlank. Mir war nie ganz klar, wie sie das trotz Croissant und Co. geschafft haben, denn besonders viel Sport habe ich keinen von ihnen machen sehen. Ja, alle waren aktiv im Alltag, der Sonntagsspaziergang war flott, aber sonst? Ich dachte immer, es muss einfach an den Genen liegen: flauschige, kleine deutsche Gene und schlanke, athletische französische Gene. Bis jetzt. Aber nun habe ich es endlich kapiert.

Was, wenn der Zeitpunkt, wann wir essen, mindestens ebenso wichtig ist, wie die Frage was wir essen?

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass ich in den ersten zwei oder drei Tagen in Frankreich tagsüber immer Hunger hatte. Der Essrhythmus war einfach so anders. Meine Hauptmahlzeit des Tages war das Mittagessen, so kannte ich das von zuhause. In Frankreich kann ich mich an kein einziges Mittagessen erinnern. Vielleicht gab es eine Kleinigkeit, aber sicher bin ich mir nicht. Zum Frühstück aßen wir Croissant. Jeder nur ein einziges, das aber alle Frauen des Hauses dick mit Butter bestrichen und danach in den Milchkaffee tunkten. Igitt, da schwammen immer Fettaugen darauf, ich konnte gar nicht hinsehen. Das Frühstück war lecker, aber keine große Sache. Das Abendessen war dagegen jedes Mal ein Fest und ich habe mich jeden Tag wie ein Schnitzel darauf gefreut. Die ganze Familie saß stundenlang zusammen, es wurde viel geredet und reichlich gegessen. Nie gab es weniger als vier Gänge. Vorneweg einen kleinen Salat oder eine Suppe. Manchmal beides. Oft ein Hauptgericht mit Fleisch oder Fisch. Manchmal beides. Oft noch einen Zwischengang. Dazu wurde Wein getrunken und Baguette gegessen. Sehr oft aßen wir ein Dessert. Zum Abschluss gab es immer Käse und Obst. Jeden einzelnen Abend. Ich war im Himmel.

Geschmack, Genuss, Vergnügen, Freude

Alle Franzosen, die ich kenne, sind sich in einem einig: Das Abendessen ist die wichtigste Mahlzeit des Tages. Wer jetzt aber denkt, dass abends gespachtelt wurde, bis der Arzt kommt, liegt völlig falsch. Es ging um Geschmack, es ging um Genuss, es ging um Vergnügen, es ging um Freude am Essen. Die Portionen waren alle klein, aber gehaltvoll. Das Hauptaugenmerk lag auf dem großen Fisch- oder Fleischgang und dazu gab es Salat oder Gemüse. Kohlenhydrate als Sättigungsbeilage? Fehlanzeige. Ja, es gab Kohlenhydrate, aber wir haben zu sechst vielleicht ein mittelgroßes Baguette gegessen. Mehr als zwei oder drei kleine Scheiben pro Nase waren das nicht. Und sie waren höchstens Mittel zum Zweck, um Soße aufzutunken oder Käse zum Mund zu transportieren. Gab es Kartoffeln oder Reis, dann waren sie höchstens Garnitur und haben dem Fleisch oder Fisch auf dem Keller nur unwesentlich Platz weggenommen. An Wein gab es höchstens ein oder zwei kleine Gläschen für die Erwachsenen und einen Probierschluck für die älteren Kinder, ansonsten nur Wasser. Jetzt, nach über 20 Jahren, habe ich das Konzept endlich kapiert: Butterkaffee zum Frühstück, Fettberge, nur wenige Kohlenhydrate und Intervallfasten? Das kommt mir doch irgendwie bekannt vor. Ganz klar, das ist moderates LCHF!!!

Was ist aus den drei Hauptmahlzeiten geworden - ohne Snacks dazwischen?

Die in Frankreich übermäßig langen Pausen zwischen den Mahlzeiten waren für mich sehr ungewohnt, obwohl wir zuhause auch nur drei oder höchstens vier Mahlzeiten am Tag gegessen haben. Dieses "Gesnacke", das heute so üblich ist, und dieses "Nebenbei-Geesse" waren in meiner Kindheit tabu. Essen gab es nur am Tisch, vorher wurden die Hände gewaschen und wir haben zusammen angefangen. Wenn wir als Kinder am späten Nachmittag um Kekse oder Kuchen gebettelt haben, hat uns meine Oma ermahnt: "Kind, du verdirbst dir den Appetit! Später gibt es Abendessen." Meine Oma hielt snacken noch für ungesund, 50 Jahre später hat sich diese Einstellung um hundertachtzig Grad gedreht. Heute essen wir von der Minute, in der wir aufstehen, bis zur Minute, in der wir schlafen gehen. Viele Ernährungskonzepte, die im Ruf stehen gesund zu sein, sehen fünf oder sogar sechs kleine Mahlzeiten am Tag vor. Es ist die Essenz unzähliger Diäten. Wie oft schon haben wir die folgenden Sätze gehört: Das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages. Nicht frühstücken macht dick. Wenn du eine Mahlzeit auslässt, schlemmst du bei der nächsten hemmungslos. Spätestens alle zwei bis drei Stunden musst du etwas essen, sonst fällt dein Blutzucker in den Keller. Wenn du nicht regelmäßig isst, bekommst du Heißhunger. Aber stimmt das alles wirklich?

Gesunde Ernährung: Ist es weniger das was und viel mehr das wann?

Wir machen uns Gedanken, welche Lebensmittel gesund sind. Wie viele Kalorien dies oder jenes hat. Ob wir davon zunehmen. Ob uns das beim Abnehmen hilft. Was die beste Ernährungsweise ist. Aber einen Aspekt vernachlässigen wir viel zu gerne: das wann. Was ist, wenn der Zeitpunkt, wann wir essen, viel wichtiger ist als wir vielleicht denken? Was ist, wenn das wann viel bedeutender ist als das was? Im Leben ist so oft alles eine Frage des Timings. Warum sollte das beim Essen anders sein? Ich starte nun also das Ein-Frau-Fasten-Experiment. Ausgerechnet ich, die noch vor ein paar Jahren eine erklärte Fastengegnerin war. Die Angst hatte vor dem Hungerstoffwechsel und Bedenken, dass Muskeln beim Fasten abgebaut werden könnten. Die sich sicher war, dass Fasten zum Abnehmen sowieso nicht taugt. Was mir in den letzten Wochen klar geworden ist: Fasten ist ein mächtiges Werkzeug. Es könnte mir nicht nur beim Abnehmen helfen, sondern auch, um bis ins hohe Alter fit und gesund zu bleiben. Jetzt gilt es also auszuprobieren, wie Fasten am besten in mein Leben und zu meinen Zielen und Bedürfnissen passt und wie ich bestmöglich davon profitieren kann. Ihr dürft also wirklich sehr gespannt sein.

Liebe Grüße
Antonie

1 Kommentar:

  1. Französische Küche ist toll! Aber: man darf kein Vegetarier sein. Nichtmal in Paris bekommt man in Restaurants verlässlich eine fleischlose Alternative, die nicht Fisch oder "le salade" ist.

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