Dienstag, 18. April 2017

LCHF: Meine neue Mama-Diät

Da saß ich mal wieder, wie schon so oft. Es war Sonntagabend und am nächsten Tag wollte ich mit dem "Bikini Body Guide" (BBG) von Kayla Itsines starten. Aber das beste Trainingsprogramm bringt optisch gesehen wenig, wenn die Ernährung nicht passt - und meine Ernährung passte nicht. Ich hatte die ganze letzte Woche "normal" gegessen und Ernährungstagebuch geführt. Beim Auswerten hat mich fast der Schlag getroffen. Ich ernährte mich ausgewogen. So weit so gut, aber das hatte ich nicht anders erwartet. Ich aß genügend Ballaststoffe, die fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag fielen mir leicht, ich trank genug und meine Aufnahme an ungesättigten Fettsäuren war auch prima. Mir war klar gewesen, dass ich zu viel aß - von nix kommt schließlich nix. Aber mir war nicht klar, wie viel dieses Zuviel tatsächlich war: Ich schaffte es, ohne mich sonderlich anzustrengen, an einem ganz normalen Tag 3000 kcal zu essen. Hauptsächlich gesunde Kalorien, ganz ohne Fressorgien. Ohne irgendwo eingeladen zu sein und ohne im Biergarten zu sitzen. Ohne abends auf dem Sofa eine Tafel Schokolade oder eine ganze Chipstüte zu vernichten. Sondern mit gesunden, frischen, cleanen Lebensmitteln. Mit viel Gemüse und Obst, Haferflocken zum Frühstück, Vollkornnudeln, Vollkornbrot, wenig Fleisch und gesunden Fetten. Einfach so. Drei!Tausend!Kalorien! Mein Tagesbedarf dürfte etwa bei 2000 kcal liegen. Ich saß da also, völlig geschockt, und überlegte, wie ich meine Ernährung und vor allem meine Portionsgrößen wieder in den Griff bekomme. Es musste - mal wieder - ein Plan her. Keine kurzfristige Diät, sondern eine echte, sinnvolle, dauerhafte Ernährungsumstellung. Etwas, das funktioniert, aber gleichzeitig schmeckt. Etwas, bei dem ich satt werde (oder sich mein Hunger zumindest in Grenzen hält) und sich leicht in meinen Alltag mit zwei kleinen Kindern integrieren lässt.


LCHF: Meine neue Mama-Diät ist einfach, unkompliziert, lecker und funktioniert - und ich bin völlig fassungslos ;-).


"Mach doch mal Low Carb", kam von meinem Mann, der neben mir saß und meine Pläneschmiederei leicht abwesend zur Kenntnis nahm. Der hatte mich schon oft planen sehen und glücklicherweise selbst keine Ahnung von Diäten. Aber er hat ein paar Arbeitskollegen, die super mit Low Carb abgenommen hatten. "Die hatten jedenfalls keinen Hunger", so waren seine Worte. Sattwerden bei einer Diät und trotzdem abnehmen? Hm, interessant. Bisher sind alle meine Ernährungsumstellungen letztendlich am Hunger gescheitert. Ich bin einfach verfressener als andere. Wenn alle schon längst pappsatt sind, könnte ich noch was essen. So ein richtiges, natürlich Sättigungsgefühl kenne ich gar nicht. Ich bin entweder hungrig oder pappsatt. Mein Kopf bestimmt in der Regel, wann genug ist, nicht mein Bauch. Das kann der gar nicht.

Seit ich ein Teenager war, habe ich immer versucht, weniger zu essen. Ich habe versucht, mich an kleinere Portionen zu gewöhnen, meinen Hunger mit kalorienarmen Volumen in Form von Gemüse und Salat im Zaum zu halten. Ich war schon oft sehr diszipliniert, habe mit verschiedenen Methoden einige Kilos verloren, mein Wunschgewicht habe ich aber nie erreicht. Bisher habe ich nur abgenommen, wenn ich abends hungrig ins Bett gegangen bin und das habe ich immer nur eine gewisse Weile durchgehalten. Meistens hat sich nach den ersten zehn Kilos wieder langsam aber sich der alte Trott eingeschlichten. Die Portionen sind schleichtend größer geworden, die verlorenen Kilos kamen zurück und als Sahnehäubchen das eine oder andere Pfündchen obendrauf. Nach 20 Jahren Kilokampf bin ich nun eine ganz normale Diätgeschädigte mit einer Menge Jo-Jo-Erfahrung. Ich war bis vor einem Monat überzeugt, dass ich entweder mein ganzes Leben für die Traumfigur hungern muss oder das Essen genießen kann und als Preis dafür eben Flausch auf den Hüften habe.

Low Carb - das ist definitiv nichts für mich. Oder vielleicht doch?

Trotzdem, diese Sache mit dem Abnehmen ohne Hungergefühl lies mich nicht mehr los. Ich hatte schon alles probiert, nur Low Carb nicht. Ehrlich gesagt hatte ich große Angst davor und eine Menge Vourteile. Low Carb, das war nichts für mich, das konnte ich nicht. Weniger Süßigkeiten? Wäre sinnvoll. Kein Brot zum Abendessen? Schwierig, aber machbar. Auf meine heißgeliebten Nudeln verzichten? Absolut undenkbar! Allerdings hatte mir der Diättest, den ich vor ein paar Minuten in meiner Ernährungsapp gemacht hatte, ebenfalls Low Carb empfohlen. Mein Mann zu meiner Linken und mein Handy zu meiner Rechten waren sich einig, nur ich war nicht überzeugt. Mein Handy hatte mir sogar eine ketogene Ernährung vorgeschlagen, also den fast völligen Verzicht auf Kohlenhydrate. Das war momentan keine Option, schließlich stillte ich noch.

Meine Kohlenhydratmenge zu reduzieren, wäre aber vielleicht doch ein sinnvoller Anfang. Momentan aß ich schockierende 300-450 g Kohlenhydrate pro Tag. Viel zu viel, auch wenn es hauptsächlich gesunde Kohlenhydrate und viele Ballaststoffe waren. Vielleicht sollte ich wirklich mal etwas Neues ausprobieren. Aber bedeutete Low Carb nicht, dass ich mir Unmengen an mageren Proteinen reinziehen muss? Keine schöne Vorstellung. Ich esse zwar gerne Fleisch, Fisch und Eier, aber doch bitte nicht ständig. Und trinken nicht alle bei Low Carb Protein-Shakes? Igitt, das geht gar nicht. Und backen die nicht alle mit Zuckeraustauschstoffen oder Süßstoffen? Die vertrage ich wegen meinem Reizdarm schon mal gleich gar nicht und eigentlich möchte ich schon beim Clean Eating bleiben. Hm, gab es vielleicht eine Low-Carb-Variante, die ich mit Clean Eating verbinden konnte? 

Clean Eating + Low Carb = LCHF

Ich gab also "Low Carb" und "Clean Eating" in die Suchmaschine ein und schockschwere Not, diese Variante gibt es wirklich. Sie heißt "Low Carb, High Fat" (LCHF). Was war denn das nun schon wieder für ein Unsinn? Ich soll mir über 100 g Fett pro Tag reinziehen und dabei abnehmen, nur weil ich die Kohlenhydrate weglasse? Aber dann fing ich an, genauer zu lesen. LCHF bedeutet, mit den Kohlenhydraten irgendwo zwischen 20 g (strikte, ketogene Ernährung) und 150 g zu liegen (liberale KH-reduzierte Ernährung). Die fehlenden Kalorien und der Hunger werden mit gesunden pflanzlichen und natürlichen tierischen Fetten aufgefangen. Die Proteinmenge soll bei etwa 15-20 % der Energiezufuhr bleiben, also keine Änderung zu bisher.

Ich musste lachen. Ich soll Fett mit Fett bekämpfen? Das war mir neu und ging gegen alles, was uns die Ernährungswissenschaften die letzten Jahrzehnte gepredigt hatten. Allerdings gefiel mir die Vorstellung, gegen den Strom zu schwimmen und wenn ich damit auch noch erfolgreich war, umso besser. Einen Versuch war es allemal wert. Was hatte ich schon zu verlieren, außer vielleicht ein paar Kilos? Ich las mich den ganzen Abend durch alle möglichen Webseiten zu LCHF und beschloss am nächsten Tag mit einer moderaten Form anzufangen, bei der ich etwa 80-100 g Kohlenhydrate (ca. 50-80 Netto-KH) pro Tag esse. Auf keinen Fall will ich in eine Ketose kommen solange ich noch stille. Die momentane Datenlage ist mir persönlich zu unsicher und ich will kein Risiko eingehen.

Ich fühlte mich wie die Made im Speck und nahm dabei ab - konnte das sein?

Nun sind meine ersten 30 Tage rum. So lange bracht man normalerweise, um eine neue Angewohnheit zu etablieren. Mein Fazit: Ich bin fassungslos. Ich habe 2,5 kg abgenommen, mein Bauchumfang und Hüftumfang sind jeweils 5 cm geschrumpft und dabei habe ich wie die Made im Speck gelebt. Am Oberschenkel sollen es sogar 4 cm sein. Da habe ich mich doch sicher vermessen?! Andererseits, meine Hosen kneifen nicht mehr, meine Stiefel gehen wieder ohne Mühe zu, meine Haut ist reiner geworden, ich fühle mich fitter, hatte kein einziges Fresskoma und dafür richtig Lust auf Bewegung und Sport.

 Es war die erste Woche sehr schwer für mich, auf Kohlenhydrate zu verzichten, und ich hatte übelste Kopfschmerzen. Ich war völlig auf Entzug. Aber dann war plötzlich alles ganz leicht. Sehr viel leichter als erwartet. Und doch bin ich immer noch skeptisch. Warum? Weil ich einfach nicht glauben kann, dass ich endlich eine Ernährungsform gefunden haben könnte, mit der ich mühelos und mit sehr viel Genuss abnehmen kann. Uns wurde jahrzehntelang eingebläut, dass Fett böse sei und nun sitze ich da, löffle Sahnejoghurt, knabbere Macadamianüsse, esse die Haut am Hähnchen mit, haue mir lieber eine ganze Avocado rein als nur eine halbe und verputze mit Wonne Sauce Hollandaise. Und ich nehme tatsächlich dabei ab. Das kann doch nicht sein, oder?

Aber so ist es. Abnehmen ist mir noch nie so leicht gefallen. Bisher hat mich jede Diät unendlich viel Kraft und Disziplin gekostet. Bisher habe ich mich immer besser gefühlt, wenn ich aus einer Diät "ausgebrochen" bin. Seit ich LCHF begonnen habe, fühle ich mich unwohl, wenn ich in mein altes Essverhalten zurückkehre - und sei es nur für eine Mahlzeit. Das hatte ich wirklich noch nie. Für mich ist LCHF nicht nur eine Diät für den Körper, sondern auch für die Seele. Eine ganz neue Erfahrung.

LCHF-Tagebuch

Warum Reduktionsdiäten für mich nicht funktionieren
Meine Ernährung - Update im April 2017 
Probieren geht über Studieren: Meine ersten 30 Tage Low Carb High Fat (LCHF)
Lecker, lecker: Meine ersten drei Monate Low Carb High Fat


Liebe Grüße
Antonie

1 Kommentar:

  1. Hallo Antonie, willkommen bei den LowCarblern bzw LCHF! :)
    Das "ohne Hunger abnehmen" ist der Grund, warum ich auch dabei gelandet bin, das kenn ich aus 30 Jahren Diät machen einfach nicht - satt sein. Einfach so. Und abnehmen!
    Ich hab deinen Blog mal in den BlogRadar "LowCarb" aufgenommen, da wird sicherlich noch mehr zum Thema von Dir kommen, was andere LowCarbler interessiert.

    https://kochkatastrophen.blogspot.de/p/lowcarbblogs.html

    Viele Grüße,
    Marc :)

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...