Montag, 6. Februar 2017

Sind ATIs Auslöser für eine Weizensensitivität?

Laut der aktuellen AWMF-Leitlinie "Zöliakie, Weizenallergie und Weizensensitivität" sind wahrscheinlich die mit glutenhaltigen Produkten assoziierten Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATIs) die Ursache der Symptome einer Weizensensitivität. ATIs sind Proteine, die verschiedene Getreidearten zum Schutz gegen natürliche Fraßinsekten synthetisieren. Die vielverbreitete Aussage, dass ATIs in den letzten Jahrzehnten bewusst in die modernen Hochleistungsgetreide hineingezüchtet worden sind, stimmt aber wohl nicht. Vielmehr sollen in erster Linie Ertrag, Resistenzeigenschaften und der Proteingehalt eine Rolle bei den Züchtungen gespielt haben. Trotzdem enthalten viele der Hochleistungssorten eine bis zu fünffache Konzentration. Das Problem an den ATIs: Sie können das angeborene Immunsystem aktivieren (über den sogenannten Toll-like Rezeptor 4). Der Mechanismus ist vermutlich folgender: Werden ATIs über die Nahrung aufgenommen, binden sie an die Darmzellen und aktivieren Immunzellen des angeborenen Immunsystems. Diese schütten Entzündungsstoffe aus, die dazu führen können, dass sich die Darmwand entzündet. Zudem gelangen die Entzündungsstoffe und aktivierten Immunzellen über das Blut in andere Körperregionen. Beim gesunden Menschen ist das in der Regel kein Problem. Bestehen aber bereits Entzündungen, können diese dadurch verstärkt werden, z. B. bei entzündlichen Erkrankungen wie Rheumatoider Arthritis, Diabetes Typ II, Multipler Sklerose oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. ATIs fördern also allgemeine Immunreaktionen, die zwar über den Darm wirken, sich aber nicht notwendigerweise auf das Verdauungssystem beschränken. Das Vorhandensein von ATIs ist zudem stark an den Glutengehalt gekoppelt, d. h. enthält ein Getreide viel Gluten, hat es in der Regel auch einen hohen ATI-Gehalt.

Enthält ein Getreide - hier auf dem Bild Weizen - viel Gluten, hat es in der Regel auch einen hohen ATI-Gehalt.

Folgende Getreidesorten enthalten in unterschiedlichen Konzentrationen Gluten und damit auch ATIs:
  • Weizen (auch Couscous und Bulgur sind i. d. R. aus Weizen)
  • Dinkel und Grünkern
  • Einkorn
  • Emmer 
  • Kamut
  • Roggen
  • Gerste
  • Hafer (gibt es mittlerweile auch glutenfrei)
Glutenfreie Getreidesorten sind z. B. Mais, Reis, Wildreis, Buchweizen, Hirse, Amaranth, Johannisbrotkernmehl, Teff und Quinoa.

In folgenden Lebensmitteln können sich Weizen oder Gluten "verstecken":
  • Pommes, Chips, salzige Snacks (z. B. Nüsse)
  • Wurstwaren
  • Fischkonserven
  • Fertigsoßen
  • Würzsoßen (z. B. Sojasoße, Ketchup, Senf) oder Grillsoßen
  • Frischkäsezubereitungen
  • Milchprodukte mit Fruchtzusätzen
  • Fleischersatz, z. B. Seitan (ist praktisch reines Gluten)
  • ganz allgemein Fertiglebensmittel und Fertigprodukte
  • im Restaurant: z. B. in Rührei, Suppe oder Hackfleisch als Bindemittel
Gute Übersichten über glutenfreie und glutenhaltige Nahrungsmittel sowie Tipps für den glutenfreien Alltag findest du bei der Deutschen Zöliakie Gesellschaft (hier).

FODMAPs könnten eine weitere Ursache sein

Es gibt aber noch weitere mögliche Übeltäter, die als Auslöser für die Weizensensitivität infrage kommen: nicht resorbierbare fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide und Polyole. Diese sogenannten FODMAPs wirken im Gegensatz zu ATIs nicht entzündlich, sondern können "nur" vermehrt Blähungen verursachen. Die kurzkettigen Kohlenhydrate oder Zuckeralkohole kommen in unserer Ernährung ganz natürlich vor (FODMAP-reiche und -arme Lebensmittel) oder werden während der Lebensmittelherstellung zugesetzt. FODMAPs haben eine hohe Wasserbindungskapazität, sie werden im Dünndarm nicht oder nur kaum aufgenommen und sind ein perfektes "Futter" für die Bakterien im Dickdarm. Generell sind FODMAPs nicht schädlich, sie können aber an der Entstehung einer Reihe von Verdauungsbeschwerden beteiligt sein oder diese bei Reizdarmpatienten oder Patienten mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (z. B. Morbus Crohn) verschlimmern.

Liebe Grüße
Antonie

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