Montag, 5. September 2016

Quadratisch, praktisch, gut: Meine beiden Schwangerschaften im Vergleich

"Ich bin nicht mehr alleine." Das war mein erster Gedanke nach dem Aufwachen an einem Mittwoch im November 2012. Aber konnte das wirklich wahr sein? Gerade mal vor zwei Monaten hatte ich die Pille abgesetzt. Wollte mir mein Körper mit diesem Gedanken sagen, dass ich schwanger war oder manifestierte sich gerade mein Wunschdenken in einer fixen Idee? Wahrscheinlich war ich an diesem Tag nicht besonders produktiv auf der Arbeit, da ich beschlossen hatte, abends den Test zu machen. Gesagt, getan. Die bis dato längsten fünf Minuten meines Lebens. Aber es wollte einfach kein zweiter roter Strich erscheinen. "Macht nix", sagte mein Mann. Aber ich wollte mich nicht mit dem negativen Ergebnis abfinden. Ich war mir so sicher. "Ich bin trotzdem schwanger", sagte ich trotzig und wiederholte das Spiel am Donnerstagabend. Wieder negativ und ich wurde noch trotziger. Am Freitagmorgen, fünf Tage drüber, ging ich zum dritten Mal in die Apotheke und verlangte "einen Test, der mit mir spricht". Die Apothekerin lachte und gab mir einen Clearblue Frühtest, der endlich sagte, was ich schon seit drei Tagen wusste: "Schwanger, 1-2 Wochen".

Mein Kugelbauch im Vergleich: 2013 (links) und 2016 (rechts) in der 39. Schwangerschaftswoche.

Beim zweiten Mal war ich schlauer - dachte ich zumindest ;-). Da wartete ich nämlich gleich die fünf Tage ab, bevor ich den Test machte. Wieder war es der zweite Zyklus nach Absetzen der Pille, mit der ich nach der Stillzeit erneut begonnen hatte. Ich war nervös. Supernervös. Sollte es tatsächlich nochmal gleich geklappt haben? Anscheinend nicht, der Test war negativ. Aber vielleicht hätte ich länger warten sollen? Am nächsten Tag dasselbe Spiel und der Test war wieder negativ. Aber warum bekam ich meine Periode nicht? Nach einem Wochenende warten, grübeln und hypochondrieren, machte ich schließlich einen Termin beim Frauenarzt. Google war mal wieder sehr hilfreich dabei gewesen, mir verschiedene Horrorszenarien von Zyste am Eierstock bis zu frühzeitigen Wechseljahren auszumalen. Aber ich war nicht krank. Beim zweiten Mal habe ich es von der Sprechstundenhilfe erfahren, meine Reaktion aber war dieselbe: Ich habe vor Freude geheult :-).

"Bekommst du Zwillinge?!"

So viel zu diesen Schwangerschaftsfrühtests, die ja angeblich schon einige Tage vor Zyklusende relativ zuverlässige Ergebnisse liefern sollen. Bei mir hat das jedenfalls zweimal nicht geklappt und auch sonst hatten meine beiden Schwangerschaften viele Gemeinsamkeiten. Zweimal hatte ich eine relativ leichte Schwangerschaft und war bis zum Schluss aktiv und fit - was wirklich erwähnenswert ist, da ich zweimal eine Riesenkugel vor mir hergeschoben habe. In beiden Schwangerschaften war ich ein Ritter Sport - quadratisch, praktisch, gut und quasi so breit wie hoch. Ständig wurde ich gefragt: "Bekommst du Zwillinge?!" Und auf mein "nein" kam dann meistens nur ein "wir werden ja sehen". Der Endumfang meiner Kugel dürfte in etwa gleich gewesen sein, bei der zweiten Schwangerschaft war es vielleicht etwas mehr. Während ich aber in meiner ersten Schwangerschaft meine erste Umstandshose in der 17. Woche anhatte und mir viele Tops, weite Blusen oder Tuniken noch bis zur 30. Woche gepasst hatten, bekam ich beim zweiten Mal bereits in der elften Woche keine Hose mehr zu. Etwa in der 20. Woche musste ich alle "normalen" Klamotten aussortieren und zum Schluss waren mir teilweise sogar die Umstandssachen zu klein. Dabei habe ich in der zweiten Schwangerschaft weniger zugenommen als in der ersten (10 kg vs. 14 kg). Mein Endgewicht war aber dasselbe, da ich in die zweite Schwangerschaft mit fast fünf Kilo mehr reingegangen bin.

Kaffee, igitt!!!

Auch die Schwangerschaftsübelkeit hat beide Male sehr ähnlich zugeschlagen. Es ging damit los, dass ich keinen Kaffee mehr riechen konnte. Ich, keinen Kaffee?! Sehr verdächtig... Jeweils in der siebten Woche war mir von einem Moment auf den anderen speiübel und in der zwölften Woche war es genauso plötzlich wieder weg. Gespuckt habe ich aber nie, obwohl ich mich 24 Stunden am Tag so gefühlt habe, als wäre ich kurz davor. Jetzt. Jetzt. Jetzt. Vier Wochen lang ging das so, Tag und Nacht. Die schlimmste Situation hatte ich in meiner ersten Schwangerschaft. Da saß ich mal drei Stunden in einem Meeting fest und in dem kleinen, überfüllten Raum ohne Fenster schütteten alle massenweise Kaffee in sich rein. An dem Morgen war mir eh so übel gewesen, dass ich mich eigentlich krank melden wollte. Stattdessen saß ich da nun und überlegte, wo zum Geier in dem Stockwerk die Toilette ist und wie wohl meine Chefin reagieren wird, wenn ich jetzt vor der versammelten Mannschaft meinen Mageninhalt in den Abfalleimer in der Ecke befördere. Und viel wichtiger: Wie ich mich jemals wieder glaubwürdig da rausreden könnte. Ich war damals in der achten Woche und wollte meine Schwangerschaft auf keinen Fall vor der zwölften Woche öffentlich machen. Aber es ging gut und niemand hat Lunte gerochen.

Nachmittags schlafen? Der Witz war gut!

So ähnlich meine Schwangerschaften waren, es gab auch einige Unterschiede. Die zweite Schwangerschaft war sehr viel anstrengender. Beim ersten Mal kam mit dem Verschwinden der Schwangerschaftsübelkeit meine Energie zurück und ab der 14. Woche hätte ich die gesamte Schwangerschaft Bäume ausreißen können. Beim zweiten Mal war ich bis etwa zur 25. Woche ständig müde und hätte im Stehen einschlafen können. An Hinlegen tagsüber war aber kaum zu denken. Beim zweiten Kind nachmittags schlafen? Haha, der Witz war gut! Aber ich kann mich trotzdem nicht beschweren, unser kleiner Mann hat gemerkt, wenn es mir nicht so gut ging und dann oft ganz brav gespielt, während ich auf der Couch lag und mich ausgeruht habe. Er hat dann zwar jedes Mal in unserem Wohnzimmer eine Spielzeugbombe gezündet, aber aufgeräumt war meistens schnell und das kurze Hinlegen unbezahlbar.

Quadratisch, praktisch, gut

Glücklicherweise hatte ich in beiden Schwangerschaften mit relativ wenigen Wehwehchen zu kämpfen. In meiner ersten hatte ich bis auf die Übelkeit und ab und zu etwas Kurzatmigkeit gar nichts. Natürlich war zum Ende hin der Bauch einfach schwer und es war anstrengend, aber beschweren kann ich mich keinesfalls. In der zweiten Schwangerschaft hatte ich schon mehr: In der 13. Woche hatte ich für ein paar Tage ziemlich üble Leistenschmerzen, da konnte ich kaum noch laufen. Ich hatte mir mal wieder zu viel zugemutet, mich prompt überanstrengt und das war die Quittung. In der Schwangerschaft muss man einfach langsam machen! Im fünften Monat saß der klitzekleine Mann wie ein kleiner Buddha aufrecht in meiner Gebärmutter und hat mit dem Köpfchen auf meinen Magen gedrückt. Das war sehr unangenehm, da ich permanent das Gefühl hatte, bis zum Anschlag vollgefressen zu sein. Als ich über dem errechneten Entbindungstermin war, hat mich ab und an der Ischiasnerv geplagt, besonders, wenn ich längere Zeit auf der linken Seite lag. Außerdem hatte ich bei meiner zweiten Schwangerschaft viel mehr Wasser eingelagert, obwohl es gar nicht so heiß war. So richtig ist mir das aber erst nach der Geburt aufgefallen - als ich plötzlich wieder Knöchel und Zehen hatte ;-). Während ich mich in meiner ersten Schwangerschaft die meiste Zeit wie eine Fruchtbarkeitsgöttin fühlte, hatte ich in meiner zweiten Schwangerschaft eher Ähnlichkeit mit einem Flusspferd, das eine Bowlingkugel verschluckt hatte. Quadratisch, praktisch, gut... Ok, das war jetzt vielleicht doch ein bisschen übertrieben, aber manchmal habe ich mich schon so gefühlt. In beiden Schwangerschaften war mein Bauch jedenfalls so gigantisch groß, dass ich mich nie getraut habe, den Umfang zu messen...

Die zweite Schwangerschaft raste einfach an mir vorbei

Wirklich schade fand ich, dass vieles in der zweiten Schwangerschaft so nebenbei passiert ist. Beim ersten Mal war mein Gehirn gefühlt zu 98% mit meiner Schwangerschaft beschäftigt und die anderen zwei Prozent gingen für allgemeines Überleben und Arbeit drauf ;-). Irgendwie traurig, dass beim zweiten Mal alles nur halb so aufregend ist. Ich habe mir aber von ganz vielen anderen Mamas bestätigen lassen, dass das ganz normal sei und es ihnen ebenso ging. Obwohl ich es versucht habe, konnte ich die zweite Schwangerschaft nicht so genießen und voll auskosten wie die erste. Auch deswegen bin sehr froh, dass ich mich auch beim zweiten Mal dafür entschieden habe, einen Geburtsvorbereitungskurs zu besuchen, sodass der klitzekleine Mann wenigstens einmal in der Woche voll im Mittelpunkt stand. Außerdem habe ich wieder nette Mamis kennengelernt und der Kurs hat mir sehr dabei geholfen, meine erste Geburt aufzuarbeiten. Vor meiner ersten Geburt dachte ich mir so: "Oooch, das haben so viele Frauen schon geschafft, dann kann ich das auch" und "ja, das wird weh tun, aber es wird schon gehen". Da die Geburt unseres kleinen Mannes aber sehr heftig war, es Komplikationen gab und ich nun wusste, was auf mich zukam oder wieder zukommen könnte, konnte ich an die zweite Geburt nicht mehr so unbedarft herangehen. Zum Glück habe ich meine Angst überwinden können. Eigentlich habe ich sie erst einmal verdrängt, aber je weiter du in der Schwangerschaft kommst, umso unausweichlicher wird das Ganze. Irgendwann muss das Baby da raus und da ich keinen Kaiserschnitt wollte, musste ich mich wohl oder übel mit der Geburt auseinandersetzen. Also habe ich mir mein Geburtsprotokoll beschafft, es aufgearbeitet und mit meiner Hebamme über meine Ängste gesprochen. Sie hat mir Selbsthypnose empfohlen und damit habe ich es sogar geschafft, nicht nur meine Angst zu überwinden, sondern mich sogar auf die zweite Geburt zu freuen. Ich habe mich auf die zweite Geburt mental sehr viel intensiver vorbereitet als auf die erste Geburt, während mir beim ersten Mal die körperliche Vorbereitung mit Himbeerblättertee, Dammmassage und Heublumenbädern sehr viel wichtiger war.

Als werdende Zweitmama war ich sehr viel entspannter

Eine Sache ist mir während der zweiten Schwangerschaft das erste Mal so richtig bewusst geworden: Mit Kind hat man einfach viel weniger Zeit, sowohl Zeit für sich selbst, als auch Zeit, um verschiedene Dinge zu erledigen. Plötzlich war ich mitten im letzten Trimester und noch nichts war gerichtet. Bei unserem kleinen Mann war etwa ab der 34. Woche alles bereit. Das Kinderzimmer war eingerichtet, die Babysachen gewaschen und eingeräumt, die Kliniktasche gepackt und die Babyschühchen fertig. Sogar ein Jäckchen hatte ich gestrickt. Beim klitzekleinen Mann waren in derselben Woche noch nicht mal die Möbel für das Kinderzimmer geliefert, vom Rest ganz zu schweigen. Aber das war gar nicht so schlimm. Während ich als Neu-Mama noch alles perfekt vorbereiten musste, wusste ich beim zweiten Kind, dass wir eigentlich erst mal gar nichts brauchen. Die Babyausstattung stand ja schon im Keller, Babysachen wären ruckzuck gewaschen gewesen (das hätte zur Not die Oma erledigt) und Windeln sind auch schnell gekauft. Ich war auf jeden Fall in der zweiten Schwangerschaft sehr viel entspannter.

Beide Kinder haben mich warten lassen

Ich bin ja nicht gerade für meine Geduld bekannt. Vielleicht für meine Torten, aber definitiv nicht für meine Geduld. Unser kleiner Mann hatte sich schon Zeit gelassen, bei ihm gingen die Wehen drei Tage nach dem errechneten Termin los. Aber diesmal würde das Baby nicht so lange drinbleiben - hoffte ich. Bei dem Quatsch, den unser kleiner Mann den ganzen Tag veranstaltet, würde es bestimmt vorher vor Schreck rausfallen - dachte ich. Aber nix da, unser klitzekleiner Mann machte sich nicht mal freiwillig auf den Weg, sondern wir haben nach 10 Tagen eingeleitet. Und jeden dieser zehn "Extra-Tage" fand ich ehrlich gesagt voll zum Kotzen. Ich wollte nicht mehr. Nicht mehr schwanger sein, nicht mehr das ganze Gewicht mit mir rumschleppen, nicht mehr die Schuhe richtig zubinden können, nicht mehr gefühlt einen Kran zum Aufstehen zu brauchen. Ich hatte die Nase gestrichen voll und wollte das Baby einfach nur raushaben. Ich  habe mich richtig schuldig gefühlt, dass ich so genervt war. Auch darüber habe ich lange mit meiner Hebamme gesprochen. Sie hat mich getröstet und mir versichert, dass es völlig normal sei, am Ende der Schwangerschaft die Schnauze voll zu haben. Das gehe fast jeder Frau so. Der Körper hat zehn Monate lang Unglaubliches geleistet und es ist ganz legitim auch endlich das Ergebnis für die ganze Anstrengung in den Armen halten zu wollen.

Und was mit Abstand das Schönste war, das meine beiden Schwangerschaften gemeinsam hatte: Das kleine, gesunde und wunderschöne "Ergebnis" hat beide Male alle unsere Erwartungen übertroffen, aber dazu bald mehr...

Liebe Grüße
Antonie
 

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