Samstag, 27. August 2016

Der perfekte After-Baby-Body

Was sollen wir Frauen nicht alles sein: die perfekte Mutter, die perfekte Partnerin, die perfekte Geliebte, die perfekte Hausfrau. Ach ja, Karriere sollen wir bitte auch noch machen und sie mit den Kindern perfekt unter einen Hut bringen. Dabei sind wir stets gut gelaunt, perfekt gestylt und das perfekte Figüüüüüürchen haben wir natüüüürlich auch. Und sind wir gerade Mama geworden, sind die Babypfunde quasi mit dem Verlassen des Krankenhauses verschwunden. Machen wir mit links, oder?

Perfektion - ein erstrebenswertes Ziel?

We love you, Kate, aber wenn du ein paar Stunden nach der Geburt mit perfekt gestylter Wallemähne und strahlenden Augen vor den "Lindo Wing" trittst, finden wir Normalofrauen das voll zum Kotzen. Ist uns egal, wie viele Stylisten du hattest und dass du den Auftritt wahrscheinlich wochenlang akribisch geplant hast. So sieht einfach keine Frau aus, die gerade ein Kind bekommen hat! Oder die lange Liste der Victoria-Secret-Models, die plopp, mal schnell ein Kind kriegen, und ein paar Wochen später elfengleich über den Laufsteg schweben, als wäre nie etwas gewesen. Heidi Klum hat es vorgemacht - da waren wir noch alle einigermaßen beeindruckt - aber mittlerweile gehört das ja quasi zum guten Ton. Wie sollen wir normale Frauen uns da nicht unter Druck gesetzt fühlen?!

Welchen Preis zahlen Promi-Frauen wohl für ihren perfekten After-Baby-Body?

Wenn ich fünf Wochen nach der Geburt von der Postbotenurlaubsvertretung gefragt werde, wann es denn soweit sei, dann würde ich jetzt mal wagen, zu behaupten, dass mein After-Baby-Body alles andere als perfekt ist ;-). Ok, ich geb's zu, das Babydoll-Oberteil, das ich anhatte, ist jetzt nicht gerade das vorteilhafteste Kleidungsstück in meinem Schrank und die Schlabber-Jogginghose hat meinen bequemen Gammel-Look komplettiert. Den armen Postboten habe ich aber ganz schon geschockt, weil meine Antwort war: "Das Baby ist schon da".

Nach meiner ersten Schwangerschaft hätte ich wahrscheinlich geheult, wenn mir das passiert wäre. Ich habe vor drei Jahren ganz schön mit den Veränderungen gekämpft. Besonders die Schwangerschaftsstreifen haben mir schwer zu schaffen gemacht, obwohl ich auch vor meiner ersten Schwangerschaft keinen perfekten Körper oder so hatte. Jetzt sehe ich das alles glücklicherweise etwas gelassener. So ein After-Baby-Body ist nämlich erstmal alles andere als perfekt. Das ist total normal und auch völlig in Ordnung. Mein Bauch ist gerade etwas runzelig, leicht unsymmetrisch, hat Schwangerschaftsstreifen und hängt etwas. Zudem erinnert er von der Konsistenz her irgendwie an rohen Hefeteig. Klar hätte ich gerne eine der Hammerfiguren, die die Model- und Promi-Mamas kurz nach der Geburt auf dem roten Teppich oder dem Laufsteg präsentieren. Nach meiner ersten Schwangerschaft habe ich mich noch über sie geärgert. Jetzt frage ich mich, welchen Preis sie wohl dafür gezahlt haben. Ist vielleicht das eine oder andere Supermodel inkontinent, weil es zu früh angefangen hat zu trainieren und damit den Beckenboden überlastet hat? Oder hat es vielleicht bei der einen oder anderen Promi-Mama nicht mit dem Stillen geklappt, weil der Druck und das Training sie so sehr gestresst haben? Sicher ist jedenfalls, dass es keinen Spaß macht und unglaublich viel Disziplin verlangt, so schnell wieder in Topform zu sein. Würde ich diesen Preis zahlen wollen, anstatt im Wochenbett rumzugammeln, meine Wunden zu lecken und mit dem klitzekleinen Mann zu schmusen? Nein, das würde ich nicht.

Es ist ok, nicht perfekt zu sein

Liebe Mamas, es ist ok, nicht perfekt zu sein. Das Streben nach Perfektion ist sowieso bescheuert - besonders wenn man gerade ein Kind geboren hat - und kann doch eigentlich nur unzufrieden und unglücklich machen, oder? Außerdem ist die ersten Wochen nach der Geburt Schmusezeit mit dem Baby angesagt und bevor Mama sich an das Projekt "vorzeigbarer After-Baby-Body" machen kann, muss sie ihrem Körper erst einmal etwas Zeit zur Regeneration und Rückbildung einräumen. Ich würde auch am liebsten SOFORT meinem Hefeteig-Schwabbelbauch zu Leibe rücken, aber meine Rektusdiastase ist noch einen guten Finger breit und das ok von meinem Frauenarzt muss ich wohl oder übel auch noch abwarten. Meine Nachsorgeuntersuchung ist nämlich erst nächste Woche. Also mache ich momentan brav meine Rückbildungsgymnastik, die mir meine Hebamme fürs Wochenbett gezeigt hat, und beschränke sportliche Betätigungen auf gemütliche Spaziergänge, leichte Yoga-Asanas und ein bisschen Stretching. Für ein richtiges Workout ist mein Körper auch noch gar nicht bereit wie mir der Großeinkauf gestern gezeigt hat. Ich bin immer noch fix und fertig...

Sehr bald werde ich aber das Projekt After-Baby-Body sportlich angehen (dürfen). Ich freue mich, wenn du mich auf meinem Weg zur vorzeigbaren - aber wahrscheinlich nicht perfekten - Traumfigur begleitest.

Liebe Grüße
Antonie

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