Donnerstag, 7. Juli 2016

Stillen und Wochenbett (8. Kursabend)

Das Wochenbett ist die Zeit nach der Geburt, in der sich die Mama von der Entbindung und der Schwangerschaft erholt. Typischerweise dauert das sechs bis acht Wochen. Was?! Wird die eine oder andere jetzt vielleicht sagen, so lange? Viele Frauen, aber auch Partner, Familie oder Freunde meinen, dass man bzw. Mama nach der Geburt genauso weitermachen kann wie vorher. Die Mütter sollen sich mal bitte nicht so anstellen, schließlich können sie ja im Wochenbett total viel schlafen, haben Zeit und werden so richtig betuttelt. Tja, so sollte das sein, aber viele Mamas muten sich viel zu schnell wieder viel zu viel zu, besonders wenn es nicht das erste Kind ist. Die körperlichen Besonderheiten und Veränderungen im Wochenbett, wie Milcheinschuss, Wochenfluss, Rückbildung der Gebärmutter und die Wundheilung der eventuellen Geburtsverletzungen, sind nicht ohne. Dazu kommen die Bedürfnisse des Babys, die gestillt werden müssen und die sich weder nach Tageszeiten oder dem Rhythmus der Eltern richten. Die Geburt selbst muss verarbeitet werden und viele Mamas haben zumindest zeitweise mit dem Baby-Blues zu kämpfen. All das braucht Zeit und Raum und vor allem Ruhe. Was im Wochenbett alles auf die Mamas zukommt, war Thema des letzten Abends im Geburtsvorbereitungskurs, den wir ganz gemütlich mit Knabbereien, Kuchen und Obst haben ausklingen lassen.

Zeit, Raum und vor allem Ruhe brauchen Mamas nach der Geburt im Wochenbett - und zwar einige Wochen lang!

Eine Freundin, die mir meine jetzige Hebamme empfohlen hat, hat mich schon mal vorgewarnt: Sie sei wirklich sehr streng, wenn es um Ruhe und Erholung im Wochenbett geht. Und ich solle mich doch tunlichst daran halten, wenn ich nicht ausgeschimpft werden will. Ich gehöre definitiv zu den Mamas, die sich immer zu viel zumuten, meine To-Do-Liste ist grundsätzlich ellenlang und dass der Tag nur 24 Stunden hat, ist irgendwie ungeschickt. Wenn das Baby auf der Welt ist, sollte ich mich aber tunlichst am Riemen reißen. Auch wenn es mir schwerfallen wird, mich mal zumindest eine Woche ins Bett zu legen und mich weitestgehend bedienen zu lassen, ist es das Beste, was ich überhaupt tun kann. Wer sich nach der Geburt schon, ist viel schneller wieder fit. Lasst euch also bekochen, Getränke bringen, stillt und kuschelt in Ruhe und schlaft so viel ihr könnt. Wenn es nachts nicht klappt, dann eben tagsüber. Ich habe mir fest vorgenommen, den Haushalt einfach mal Haushalt sein zu lassen. Aufräumen kann man später immer noch und wenn sich irgendein Besuch daran stört, dann soll er eben anpacken ;-).

Wochenfluss und Rückbildung

Kurz nach der Geburt setzt der Wochenfluss ein. Hat sich die Plazenta abgelöst, bleibt eine etwa 12 cm große Wunde in der Gebärmutter zurück, die ein Wundsekret (Lochien) absondert. Das Wundsekret besteht hauptsächlich aus Blutpfropfen, Schleimhautstückchen, Eihautresten und wässrigem Blut. Wenn nach den ersten Blutungen die Heilung einsetzt, verfärbt sich der Wochenfluss von einem hellen Rot zu Rosa über bräunlich, bis er gegen Ende eine gelblich-weiße Farbe annimmt. Die Nachwehen sorgen dafür, dass sich die Gebärmutter weiter zurückbildet und verstärken den Wochenfluss. Erst-Mamas spüren diese Rückbildungswehen oft kaum. Mit jeder Geburt aber werden diese schmerzhafter empfunden. Besonders beim Anlegen kann es sein, dass sich die Gebärmutter heftig zusammenzieht. Unsere Hebamme hat uns empfohlen, dann wirklich auf Schmerzmittel zurückzugreifen. Deswegen muss man sich auch nicht als Weichei fühlen. Es mache einfach keinen Sinn, Schmerzen auszuhalten oder Angst vor dem Stillen zu haben und es nicht genießen zu können oder sogar im schlimmsten Fall seltener anzulegen. Nach Absprache mit dem Arzt kann man während der Stillzeit z. B. Tabletten mit dem Wirkstoff Paracetamol oder Ibuprofen einnehmen.

Milcheinschuss

Ich kann mich noch ganz genau an den Milcheinschuss nach meiner ersten Geburt erinnern. Der war ausgerechnet an dem Tag, an dem wir entlassen wurden (3. Tag nach der Entbindung) und ich stand mit dem großen und kleinen Mann im Wickelzimmer im Krankenhaus. Es haben zwei oder drei Babys geweint (nicht mal mein eigenes), meine Brüste wären fast explodiert, ich war leichenblass, mir ist der Schweiß ausgebrochen und ich dachte, ich kippe gleich um. Ich hatte also eher heftige "Symptome", bei manchen Frauen geschieht das aber auch einfach so nebenbei. Der Milcheinschuss erfolgt in der Regel zwischen dem zweiten und fünften Tag nach der Geburt, aber keine Angst, auch vorher muss das Baby nicht hungern. Das Baby sollte am besten innerhalb der ersten Stunde (bzw. der ersten beiden Stunden) nach der Geburt das erste Mal angelegt werden. Dann ist der Saugreflex besonders stark und die Milchbildung wird in Gang gesetzt. Bis zum Milcheinschuss produziert der Körper die sogenannte Vormilch (Kolostrum), die besonders viele Nährstoffe, Proteine und Antikörper enthält. Meistens ist die Menge nur gering, aber das Baby ist auch nach wenigen Tropfen schon satt, schließlich ist der Magen eines Neugeborenen nur so groß wie eine kleine Murmel. Wichtig ist es, anfangs das Baby regelmäßig nach Bedarf anzulegen, das kann alle zwei Stunden sein, bei manchen Babys auch alle halbe Stunde und manche Babys schlafen nach der anstrengenden Geburt auch mal 3-4 Stunden am Stück. Spätestens dann sollte man ihnen aber wieder die Brust anbieten. Stillst du regelmäßig, dann kommt der Milcheinschuss von ganz alleine. Wichtig ist vor allem Ruhe, Gelassenheit und Geduld. Mit meinem kleinen Mann klappte das Stillen von Anfang an problemlos und trotzdem hat es fast vier Wochen gedauert, bis wir wirklich eine Routine entwickelt hatten. Lasst euch also Zeit. Zufüttern sei übrigens nach Aussage meiner Hebamme meistens nicht notwendig, werde aber viel zu häufig gemacht. Mein kleiner Mann hat in der zweiten und dritten Nacht auch viel geweint, sodass mich ich letztendlich von der Hebamme im Krankenhaus habe beschwatzen lassen. Gebracht haben die zwei Fläschchen aber nicht viel, er hat danach trotzdem noch geweint. Wahrscheinlich musste er die Geburtsstrapazen verarbeiten. Wenn das dieses Mal wieder so sein sollte, dann ziehe ich den klitzekleinen Mann wahrscheinlich lieber aus und lege ihn nackt auf die Brust zur Beruhigung. Ich lasse es einfach mal auf mich zukommen und werde dann schon wissen, was das Richtige ist.

Wundheilung 

Ich war wirklich beeindruckt, wie schnell sich ein Körper nach der Geburt regeneriert. Sowas hätte ich nicht für möglich gehalten. Bei meiner ersten Geburt hatte ich einen Scheidenriss und einen Dammriss II. Grades, was für den Geburtsverlauf an sich eigentlich keine gravierenden oder überraschenden Verletzungen waren. Natürlich habe ich, sobald der Damm einigermaßen abgeschwollen war, mit einem Spiegel nachgeschaut - da kommt die Wissenschaftlerin in mir durch - und es sah ganz schön gruselig aus (für schwache Nerven kann ich das nicht unbedingt zur Nachahmung empfehlen). Trotzdem tat es gerade mal zwei Tage ein bisschen weh, das Aufstehen aus dem Bett war etwas mühsam und ich konnte nicht auf dem Damm sitzen, sondern musste jeweils auf eine Pobacke ausweichen. Schmerzmittel hatte ich keine nötig, wer welche braucht, sollte im Krankenhaus aber keine Scheu haben, danach zu fragen. Nach Dammverletzungen ist z. B. Kälte schmerzlindernd, in Form von Kühlkompressen oder einem mit Wasser gefüllten, gefrorenen Latexfingerling (immer mit Stoff umwickeln!), gekühlten Binden (ggf. mit Arnikatinktur oder Hamamelisextrakt) oder Quarkpacks (Topfenkühlkompresse), die es fix und fertig in der Apotheke zu kaufen gibt. Eine der Mamas hat im Geburtsvorbereitungskurs erzählt, dass ihr die Hebammen im Krankenhaus mit Arnika getränkte Binden gegeben hätten, die wunderbar kühlend und schmerzstillend waren. Also einfach mal fragen, die Hebammen im Krankenhaus oder deine Nachsorgehebamme haben sicher noch einige Tricks auf Lager. Wer Schmerzen beim Wasserlassen hat, der stellt sich am besten einen kleinen Becher mit Wasser bereit und lässt es beim Pipimachen über den Damm fließen. Noch ein Tipp von meiner Hebamme, der sich im ersten Moment vielleicht nicht besonders hygienisch anhört, aber nach der Geburt auch mal durchaus angebracht sein kann: Einfach in die Dusche oder - wer eins hat - ins Bidet pinkeln und dabei Wasser laufen lassen. Wofür gibt es schließlich Putzmittel?!

Baby-Blues

Am vierten oder fünften Tag nach der Geburt ist vielen Müttern zum Heulen zumute, der sogenannte Baby-Blues schlägt zu. Es wird vermutet, dass der Baby-Blues durch die hormonellen Veränderungen ausgelöst wird und Schlafmangel und die neuen Herausforderungen tun ihr übriges. Egal wie glücklich du über deine neue Rolle als Mama bist, es wird auch Momente geben, in denen du dich einfach gestresst oder von der Verantwortung überwältigt fühlst. Das ist ganz normal. Ich kann mich, ehrlich gesagt, nicht mehr so richtig an den Baby-Blues erinnern, sondern weiß nur noch, dass ich die ersten Tage nach der Geburt unheimlich nah am Wasser gebaut hatte. Die Tage vor der Geburt allerdings auch, daher fand ich den Unterschied jetzt nicht so gravierend ;-). Meist sind die Heultage nach wenigen Tagen wieder vorbei und bis dahin heul dich einfach richtig aus. Halten sie länger an oder treten sie erst später auf, könnte auch eine Wochenbettdepression die Ursache sein. Dann bitte deine Hebamme oder deinen Arzt ansprechen und professionelle Hilfe holen.

Wie ist es euch so im Wochenbett ergangen? Ich würde mich freuen, wenn ihr eure Erfahrungen in den Kommentaren teilt :-).

Liebe Grüße
Antonie
 

Kommentare:

  1. Praktische Tipps kann dir wohl jeder Mutter zu Hauft geben, doch von dem Wochenbett zu berichten in einer Kommentarleiste wird schwer. Nicht nur, das es der Zeit nicht gerecht wird, sondern auch weil es so individuell ist und von so vielen Faktoren abhängt, dass es für einen selbst kaum einen Mehrwert haben wird.

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  2. Hallo Dienstagsblues,

    Schön, dass du den Weg auf meinen Blog gefunden hast. Natürlich hast du recht, ein paar Sätze können nie die Komplexität des Wochenbetts beschreiben, sondern sind immer nur ein Abriss von Situationen und Gefühlen. Trotzdem finde ich es gut, sich auszutauschen und die Kommentarfunktion unter einem Blogpost ist ja nur eine Möglichkeit von vielen.

    Liebe Grüße
    Antonie

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