Montag, 4. Juli 2016

Mamaglück & Tränen

Du wartest und wartest und wartest. Du siehst deinem Bauch zu, wie er wächst und kannst es kaum erwarten, dein Baby endlich im Arm zu halten. Neun Monate lang und dann überrascht es dich doch: Du bist Mama. Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern als mein Mann und ich nach zwei Tagen im Krankenhaus mit unserem kleinen Mann nach Hause kamen. Wir haben die Babyschale im Wohnzimmer abgestellt und uns beide etwas skeptisch angeschaut. Hm, da ist ein Baby. Und was machen wir jetzt damit?! Das Schöne ist, dass man automatisch das Richtige tut. Immer. Ich kann jeder Mama nur raten, auf ihr Bauchgefühl zu hören und sich bloß nicht reinreden oder von irgendjemandem verunsichern zu lassen. Du bist die Mama und du weißt am besten, was dein Baby braucht. In der Sekunde, in der ich unseren kleinen Mann das erste Mal gesehen habe, war ich hoffnungslos verliebt. Mamahormone sind sowieso etwas ganz Großartiges. Jedem anderen hätte ich den Kopf abgerissen, wenn er mich fünfmal mitten in der Nacht geweckt, meine Brustwarzen malträtiert und auch noch anpinkelt hätte. Aber dann lächelt dein Kind dich an und alles ist vergessen. In den nächsten Tagen wird das wieder passieren. Ich werde mich bei einem Blind Date verlieben. In ein hilfloses kleines Wesen. Hoffnungslos und unsterblich. Mamahormone. Einfach verrückt.

Das große Glück ist manchmal ganz klein - und ein bisschen schrumpelig ;-).

Mama sein - Frau bleiben

Mama zu werden verändert dein ganzes Dasein. Nach der Geburt war ich erst einmal nur Mama, alles andere trat in den Hintergrund. Erst nach etwa drei Wochen begann ich auch wieder Frau zu sein. Zum einen war es sehr schön, den eigenen Körper wieder bewusster zu spüren, zum anderen hinterlässt natürlich jede Geburt Spuren, an die man sich erst einmal gewöhnen muss. Nach der Geburt ist alles am Körper irgendwie weich. Der Bauch ist wie eine leere Hülle, gegebenenfalls hängt er ein bisschen oder er ist unsymmetrisch. In den seltensten Fällen sieht er besser aus als vorher. Mir haben außerdem die Schwangerschaftsstreifen ganz schön zu schaffen gemacht. Andere Frauen haben vielleicht ein Problem mit Krampfadern, Besenreißer oder Pigmentflecken. Da hatte ich ein wunderschönes, gesundes Baby und war trotzdem unzufrieden, weil ich mich nicht mehr ganz wohl in meiner Haut gefühlt habe. Die Wahrheit? Das ist ganz normal und es gibt keinen Grund sich dafür zu schämen. Nach der Geburt besteht das Leben eben nicht nur aus Mamaglück, wie die Werbung für Babyprodukte uns allen gerne weiß machen möchte, sondern eben auch hin und wieder aus Tränen. Eben weil du nicht ganz zufrieden mit dem eigenen Körper bist. Weil manche Nächte einfach der Horror sind. Weil du das Gefühl hast, nie wieder in Ruhe schlafen zu können oder weil die Abhängigkeit dieses kleinen Wesens dich manchmal einfach überwältigt. Mama sein und sich gleichzeitig nicht als Frau zu vergessen, das ist wohl eines der schwierigsten Dinge mit einem kleinen Neugeborenen. Diesmal sehe ich der ganzen Sache etwas gelassener entgegen. Ich weiß bereits, wie verwirrend sich der eigene Körper nach der Geburt anfühlen kann, aber ich weiß auch, dass ich wieder ich selbst werde. Selbst dass mir der klitzekleine Mann in meinem Bauch noch ein paar zusätzliche Schwangerschaftsstreifen verpasst hat, kratzt mich diesmal wenig. Nach der Geburt ist es erst einmal das Wichtigste, die Zeit mit dem Baby in vollen Zügen zu genießen. Für den perfekten After-Baby-Body, falls dieser denn überhaupt erstrebenswert ist, habe ich später immer noch genug Zeit.

"Jede Geburt bringt eine veränderte Frau zur Welt"

Ich habe letzte Woche ein ganz tolles Buch gelesen: Das Geburtsbuch von Nora Imlau. Besonders ein Satz von ihr lässt mich seitdem nicht mehr los: "Jede Geburt bringt eine veränderte Frau zur Welt." Da stimme ich ihr aus vollem Herzen zu. Eine Geburt ist eine der prägendsten Erfahrungen, die man sich nur vorstellen kann. Nie habe ich mich verletzlicher gefühlt, nie gelangte ich mehr an meine Grenzen, nie verlor ich mehr die Kontrolle über meinen Körper, nie war ich schwächer und stärker zugleich, als in dem Moment, in dem ich ein Kind geboren habe. Seitdem unser kleiner Mann 2013 auf die Welt kam, bin ich einfach nicht mehr dieselbe. Die Geburt und das Muttersein haben mich verändert. Gestern hatte ich meinen errechneten Entbindungstermin und es kann nicht mehr lange dauern, bis es endlich losgeht. Auch diese Geburt wird mich prägen und verändern und ich kann es kaum erwarten, diese Erfahrung endlich zu machen.

Mein Mamaglück und manche Tränen

Liebe dich selbst
Mamis dieser Welt, seid stolz auf eure Schwangerschaftsstreifen!
Schlaflose Nächste vs. Babyglücksmomente
Der ganz normale Mamawahnsinn beim Mittagessen


Liebe Grüße
Antonie
 

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