Donnerstag, 7. Juli 2016

Geburt: Eröffnungsphase (6. Kursabend / 1. Partnerabend)

Warum sollte der werdende Papa in den Geburtsvorbereitungskurs? Das ist doch Quatsch, schließlich können die Männer doch eh nur daneben stehen und zusehen, wie die Frau sich plagt. Kinderkriegen ist schließlich Frauensache, warum also Zeit und Geld opfern, um sich vollquatschen zu lassen?! So oder so ähnlich könnten die Argumente der Männer sein, um dem Partnerabend zu entgehen. Liebe Männer, denkt euch das lieber nur und sprecht es bloß nicht laut vor eurer schwangeren Frau aus! Mein Mann hätte es von sich aus sicher nicht vorgeschlagen, einen Kurs mit Partnerabenden zu besuchen, hat aber auch nicht gemurrt. Einer der anderen Papas im Geburtsvorbereitungskurs war dagegen hellauf begeistert, ein anderer hat sich zumindest mit einem Rostbraten überreden lassen zu kommen ;-). Wie auch immer wir Mamas unsere Männer hergelockt hatten, ich fand es sehr schön, dass alle 10 Papas geschlossen angerückt sind und das Ganze auch wirklich ernst genommen haben.

Ein Geburtsvorbereitungskurs kann dem Papa helfen, sich im Vorfeld besser mit der Geburt auseinanderzusetzen.

Zur Freude meines Mannes begann der Abend mit einer Vorstellungsrunde, sowas macht er gaaaanz besoooooonders geeeeeerne (hihi, Schadenfreude ist die schönste Freude...). Unsere Hebamme hat den Männern dabei noch eine kleine Aufgabe gegeben: Sie sollten beschreiben, wie sie die Geburt erlebt hatten und sich dabei dem Männertyp 1-3 zuordnen. Zur Erklärung: Der Männertyp 1 ist der werdende Papa, der seine Frau einhundertprozentig bei der Geburt unterstützt (bzw. unterstützen DARF), alles Gelernte im Geburtsvorbereitungskurs anwendet und mit vollem Einsatz die komplette Zeit jegliche Art von Hilfestellung gibt. Laut unserer Hebamme erkennt man diese Männer z. B. auch daran, dass man meint, sie hätten das Kind quasi selbst zur Welt gebracht, wenn sie von der Geburt sprechen ;-). Der Männertyp II ist der werdende Papa, der zwar nicht aktiv mithilft, aber immerhin ab und an mal Hand halten, massieren, Wasserflasche oder Essen reichen darf. Typ 3 ist quasi der arme Tropf, der hilflos daneben steht, nichts machen kann oder darf und seiner Frau ausschließlich zusehen muss. Von den 10 Männern waren immerhin zwei der Typ 1, die meisten der Typ 2 und ein paar wenige haben sich mit Typ 2-3 oder Typ 3 beschrieben. Einer der Papas meinte scherzhaft, er sei Typ 4, der im Kreissaal ausgenockt auf dem Boden liegen wird (die erste Geburt seiner Frau war ein Kaiserschnitt wegen Placenta praevia), aber ich glaube nicht, dass es soweit kommt. Nicht nur die Frauen entwickeln während der Geburt ungeahnte Kräfte, auch die Männer sind sehr viel stärker als sie vielleicht denken.

Mein Typ-2-bis-3-Mann

Mich hat es ganz schön aufgewühlt, meinen Mann von der Geburt unseres kleinen Mannes berichten zu hören. Ehrlich gesagt habe ich ganz schön mit den Tränen gekämpft. Mein Mann war anfangs der Typ 2 und als es dann schwierig wurde und nicht mehr voranging, der Typ 3. Der arme Kerl durfte mich nicht mal mehr anfassen. Er hat mir mal gesagt, dass er die letzten beiden Stunden mit Geburtsstillstand, Wehenhemmer und Wehentropf nur überstanden habe, weil er sich innerlich völlig davon distanziert hat. Aber auch wenn er sich so gefühlt haben mag, als wäre er völlig überflüssig - das war er keineswegs. Auch wenn ich nicht berührt werden wollte, hat es mich sehr geholfen, dass er an meiner Seite und ich nicht allein war. Auch wenn manche Frauen ihren Partner nicht im Kreißsaal dabei haben wollen, denke ich schon, dass der Großteil der Frauen für die enorme Unterstützung des Partners dankbar ist. Und liebe Papas, unterschätzt es nicht, wie hilfreich alleine eure Anwesenheit ist - und das gilt auch für die armen Typ-3-Männer!

Eröffnungsphase - die Geburt beginnt

Natürlich hat unsere Hebamme bei dem Partnerabend auch, wie im Themenplan angekündigt, die Eröffnungsphase der Geburt kurz erklärt. Die Eröffnungsphase ist die erste Etappe der Geburt und zugleich auch oft die längste. Zuerst muss sich der Gebärmutterhals verkürzen, weicher werden und der Muttermund sich auf 2-3 cm öffnen (Latenzphase). Zu Beginn der Eröffnungsphase sind viele werdende Mamas noch relativ entspannt. Mir ging es genauso, ich habe erst mal gar nicht richtig kapiert, dass es jetzt tatsächlich losgeht ;-). Ein kleiner Spaziergang (wenn es nicht gerade mitten in der Nacht ist), eine Massage oder ein Entspannungsbad sind jetzt oft eine gute Idee. Werden die Wehen kräftiger, dann helfen verschiedene Positionen, um diese leichter zu veratmen und dem Kind den Weg durch das Becken zu ebnen. Das Becken kreisen ist meist hilfreich, sei es im Stehen, auf einem Pezziball oder auf der Yoga-Matte im Vierfüßlerstand. Auch ein Seil oder Tuch, das von der Decke hängt, kann nützlich sein. Der Trick ist aber, sich nicht ans Seil zu hängen, sondern aktiv daran zu ziehen, was den Beckenboden gleichzeitig lockert und aktiviert. Wir durften das alle im Geburtsvorbereitungskurs an dem Tuch ausprobieren, wobei die Frauen wohl eher den Beckenboden gespürt und die Männer halbe Klimmzüge am Tuch ausprobiert haben ;-).

In der aktiven Eröffnungsphase werden die Wehen stärker und regelmäßiger. Die Wehen kommen ca. alle 2-5 min, dauern ca. 60-90 Sekunden und oft platzt zu diesem Zeitpunkt die Fruchtblase (Blasensprung). Das Kind wird tiefer in das Becken geschoben und der Muttermund öffnet sich vollständig bis auf 10 cm Durchmesser, was in etwa dem Umfang des Köpfchens entspricht. Die Eröffnungsphase kostet viel Kraft und gerade zum Ende der Eröffnungsphase haben viele Frauen das Gefühl, dass sie nicht mehr können oder sind verzweifelt, weil sie keinen Fortschritt erkennen. Auch ich hatte zu dem Zeitpunkt schlicht und ergreifend keinen Bock mehr. Doch diese Gedanken und Gefühle sind meist ein sicheres Zeichen dafür, dass sich die werdende Mama im Übergang zur Austreibungsphase befindet. Oft verwandelt sich zu diesem Zeitpunkt der bisher eher dumpfe Schmerz in einen scharfen, "hellen" Schmerz. Jetzt ist der Muttermund ganz geöffnet und das Baby kann auf die Welt kommen.

Ich habe eine ganz nette Animation zum Geburtsverlauf gefunden, das die Eröffnungsphase und Austreibungsphase (unsere Hebamme sagt Begrüßungsphase) anschaulich erklärt. Es gibt das Video übrigens auch auf Deutsch, allerdings finde ich die Stimme furchtbar, deshalb die englische Version:


Noch ein paar Gedanken zum vorzeitigen Blasensprung, das heißt einen Fruchtwasserabgang bevor die Wehen eingesetzt haben. Interessanterweise scheiden sich hier die Geister. Es heißt ja, dass wenn das Köpfchen noch nicht im Becken sitzt, sollte man sich umgehend auf den Boden legen, einen Krankenwagen rufen und im Liegen in die Klinik transportiert werden, um die Gefahr eines Nabelschnurvorfalls zu minimieren. Beim Nabelschnurvorfall legt sich die Nabelschnur zwischen Kind und Geburtskanal. Dies kann in seltenen Fällen dazu führen, dass es zu einer Sauerstoffunterversorgung kommt, was gefährliche Folgen für das Kind haben kann. In England oder einem unserer direkten Nachbarländer, der Schweiz, stößt man total auf Unverständnis, wenn man erzählt, dass einem in Deutschland geraten wird, bei einem vorzeitigen Blasensprung den Krankenwagen zu rufen. Die kennen das in der Regel gar nicht. Und auch nicht jeder Arzt und jede Hebamme rät dir dazu. Was also tun? Bei mir ist es momentan so, dass das Köpfchen zwar Verbindung mit dem Becken aufgenommen hat, aber noch nicht hineingerutscht ist. Mir wurde nun geraten, den Krankenwagen zu rufen, wenn das Fruchtwasser in einem riesigen Schwall abgeht und ich umgehend in einer wirklich großen Pfütze stehe. Geht das Fruchtwasser dagegen tröpfchenweise oder kontinuierlich im kleinen Schwall ab, dann ist das ein Zeichen, dass das Köpfchen abdichtet und ich kann mich ganz normal im Auto ins Krankenhaus fahren lassen. Wenn du dir unsicher bist, dann sprich am besten mit deiner Hebamme und/oder deinem Arzt. Sie kennen dich und können eine individuelle Empfehlung aussprechen.

Wann ging es bei euch los? Wie habt ihr eure Eröffnungsphase erlebt? Welche Typen waren eure Männer und waren sie in der Eröffnungsphase hilfreich? Ich freue mich auf Erfahrungsberichte und Kommentare.

Liebe Grüße
Antonie

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