Donnerstag, 7. Juli 2016

Geburt: Begrüßungsphase (7. Kursabend / 2. Partnerabend)

Nachdem der erste Partnerabend im Geburtsvorbereitungskurs eher theoretisch war, mussten die Männer am zweiten Partnerabend richtig ran, uns massieren, verschiedene Geburtspositionen ausprobieren und imaginäre Wehen veratmen. Unserer Hebamme war wichtig, dass wir mit unseren Männern viele verschiedene Dinge ausprobieren, um zu sehen, was uns gut tut und was wir weniger gut finden. Besonders eine Sache habe ich verinnerlicht und erinnere meinen armen Mann gefühlt 10x täglich daran: Er muss mich beim Atmen unterstützen und darauf achten, dass ich möglichst durch die Nase einatme und wirklich lange ausatme. Das hat bei der Geburt unseres kleinen Mannes bei mir nicht ganz so gut geklappt, ich habe viel zu hektisch und schnell geatmet und es mir damit unnötig schwer gemacht. Und ich habe meine Wunschgebärposition gefunden: Wenn es klappt, würde ich am liebsten in der Hocke oder im Vierfüßlerstand unser Kind bekommen, also auf jeden Fall "bodennah" und nicht im Kreisbett, und vielleicht sogar dabei die Arme um die Hüften meines vor mir sitzenden Mannes schlingen. Ich schieße mich aber nicht darauf ein, schließlich ist die Geburt eine einzige Wundertüte und so gut wie gar nichts ist planbar...

Wie der werdende Papa bei der Geburt aktiv unterstützen kann, war Thema des zweiten Partnerabends im Geburtsvorbereitungskurs.

Los ging's mit Massage: Die Männer haben verschiedene Massagetechniken ausprobiert und wir durften sagen, was uns gefällt und was nicht so. Im Gegenzug haben wir natürlich auch unsere Männer massagetechnisch ein bisschen verwöhnt. Ich finde es z. B. schöner mit dem Igelball oder Tennisball massiert zu werden als mit den Händen. Einfach in kreisenden Bewegungen über den Rücken und besonders das Kreuzbein und den unteren Rücken rollen und ich fange an zu schnurren ;-). Ein weicher Igelball befindet sich bereits gut verstaut in meiner Kreissaaltasche (gibt's für wenig Geld, z. B. in der Drogerie). Gut finde ich auch, wenn mein Mann mit den Fingerknöcheln links und rechts von der Wirbelsäule (nie auf dem Knochen!) nach unten fährt oder mit der gesamten Hand von der Wirbelsäule nach links und rechts "ausstreicht". Manche anderen Mamas fanden es super, die Schulter und den Nacken massiert zu bekommen, andere wollten nur das Kreuzbein gerieben haben. Auch das "Apfel schütteln" stand hoch im Kurs. Dabei legt der Partner die Hände links und rechts neben das Kreuzbein - das ist die keilförmige Platte in der Mitte des unteren Rückens - auf den oberen Teil der Pobacken und rüttelt kräftig, um den Beckenboden zu entspannen. Probiert einfach mal im Vorfeld oder auch in der Eröffnungsphase aus, was euch guttut und wie euch eure Männer unterstützen können.

Partnerpositionen und Gebärhaltungen

Wir haben außerdem verschiedene Partnerpositionen ausprobiert sowie Gebärhaltungen, bei denen die Männer aktiv teilhaben können. Zu Beginn der Geburt eignen sich vor allem die stehenden Positionen, um die Wehen gut zu veratmen. Im aufrechten Stand das Becken kreisen lassen, sich an eine Wand anlehnen oder vom Partner stützen zu lassen, sind z. B. gute Möglichkeiten. Oder sich in eine Tuchschlaufe zu hängen, wobei es immer Sinn macht, aktiv am Tuch zu ziehen, anstatt nur passiv rumzubaumeln. Wenn du dich vorne übergebeugt auf ein Möbelstück in der Höhe deiner Wahl lehnst, kann dir dein Partner perfekt das Kreuzbein oder den Rücken massieren. Oder du läufst einfach umher. Bewegung und Positionswechsel, die dein Becken aktiv bewegen, helfen am besten beim Geburtsverlauf.

Je weiter die Geburt voranschreitet, umso mehr bieten sich dann die bodennäheren Positionen an. Der Vierfüßlerstand ist nicht so anstrengend wie das Stehen, trotzdem ist das Becken beweglich und der Mann kann perfekt massieren und kneten, wo immer du es gerne hast. Eine anstrengende, aber effektive Position ist die tiefe Hocke, in der du das Becken weitest und dem Baby durch die Schwerkraft hilfst tiefer zu treten. Vielleicht gibt es bei dir im Kreissaal auch einen Gebärhocker? Du kannst dich auch verkehrt herum auf einen Stuhl setzen und mit dem Oberkörper über die Lehne beugen oder du nutzt die Bewegungsfreiheit auf einem Pezziball. Ich fand es beispielsweise sehr entlastend für den Rücken mich im Vierfüßlerstand mit dem Armen bzw. dem gesamten Oberkörper auf dem Pezziball abzustützen und das Becken kreisen zu lassen. Oft macht es Sinn, den Ball z. B. zwischen dir und einer Wand einzuklemmen, damit du nicht vom Ball kullerst. Zwischendurch kann die Seitenlage eine gute Ruheposition sein.

Partnerpositionen, die dir guttun könnten, sind beispielsweise: Der Mann sitzt auf einem Stuhl oder Pezziball und du hockst mit dem Rücken zu ihm und stützt dich mit den Oberarmen auf seinen Oberschenkeln ab. Oder du schlingst deinem Partner im Stehen die Arme um den Hals bzw. hältst dich an seinen Schultern oder Oberarmen fest. Oder du sitzt auf einem Stuhl oder einem Pezziball, dein Mann kniet vor dir (Kissen unter die Knie) und du lehnst dich nach vorne, während er dich festhält. Mein absoluter Favorit war als mein Mann auf dem Pezziball saß und ich vor ihm im Vierfüßlerstand war, meinen Kopf in seinen Schoß gelegt und meine Arme um seine Hüften geschlungen habe. Diese Haltung hat alles vereint, was hilfreich und wichtig für mich war. Wir beide (!) hatten es bequem, ich hatte Körperkontakt, konnte mich ein bisschen verkriechen und die Umgebung ausblenden, mein Becken hatte volle Bewegungsfreiheit und mein Mann hatte auch noch jede Möglichkeit mir den Rücken zu massieren. Perfekt wie ich finde!

In allen Wehenstadien den Mund locker lassen und lang ausatmen

Außerdem hat unsere Hebamme uns mit einer Puppe und einem Becken gezeigt, wie sich das Baby durch den Geburtskanal windet und wo es sich in den verschiedenen Geburtsphasen befindet. Besonders interessant fand ich dabei, wie sich das Baby durch den Geburtskanal dreht (ein Video habe ich beim Blogpost über den ersten Partnerabend verlinkt). Wirklich anschaulich fand ich auch, wie sie verschiedene Wehenstadien vorgespielt hat. Sie hat quasi eine imaginäre Wehe veratmet und uns gefragt, in welchem Stadium sich die Frau wohl befindet und was wir denken, wie schnell wir uns ins Krankenhaus aufmachen sollten. Leider kann ich das schlecht in allen Einzelheiten beschreiben, besonders weil ich dank meiner Schwangerschaftsdemenz auch schon wieder die Hälfte davon vergessen habe. Was ich mir gemerkt habe: Ist die Frau noch relativ entspannt, ist meistens auch noch genug Zeit. Tönt die Frau laut ohne Rücksicht auf das möglicherweise schlafende Kind, dann sollte man sich doch mal schleunigst auf den Weg machen. Dann doch lieber zu früh als zu spät. Man sagt ja im Allgemeinen, dass wenn die Wehen regelmäßig in Abständen von unter 10 min kommen, sollte man sich langsam auf den Weg machen. Ich werde einfach meiner Intuition vertrauen und meinem Mann sagen, wann wir losmüssen. Das wird klappen! Was ich mir besonders verinnerlicht habe, ist in allen Wehenstadien den Mund locker zu lassen und versuchen, durch die Nase einzuatmen und lang (länger) durch den Mund auszuatmen. Ich hoffe, dass mein Mann mich daran erinnert, wenn es denn dann soweit ist. Ich wollte ihm schon einen Zettel schreiben, damit er das nicht vergisst, aber er hat dankend abgelehnt ;-).

Insgesamt wurde beim zweiten Partnerabend viel gequatscht und gelacht, vom "blöden Hechelkurs" keine Spur. Wir mussten z. B. besonders schmunzeln, als unsere Hebamme die Männer zum Abschluss noch gebeten hat, dass wenn die Zweitgebärende bereits Pressdrang verspürt und auf dem Klo sitzt, sie doch bitte schnell da runter zu pflücken. Eine Klothilde wolle schließlich keiner ;-). Und sollten wir es nicht mehr ins Krankenhaus schaffen, dann ruhig zulassen, dass die Frau das Baby im Auto bekommt (bloß nicht Beine zusammenkneifen), aber bitte vorher noch beim Hosenausziehen helfen...

Was waren eure bevorzugten Positionen bei der Geburt? Was könnt ihr als Lieblingsposition empfehlen? Konntet ihr eure Geburtsposition frei wählen? Ich bin sehr gespannt auf Kommentare!

Liebe Grüße
Antonie

 

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