Dienstag, 14. Juni 2016

Bewusstes Atmen, Wehen und Geburtsbeginn (3. Kursabend)

Wenn du schon eine Geburt hinter dir hast, dann weißt du, wie schwierig es ist, unter den Wehen ruhig und gleichmäßig weiterzuatmen. Und wenn es deine erste Geburt wird, kannst du dir sicher gut vorstellen, wie sehr Schmerzen deine Atmung beeinflussen werden. Eine gute Atemtechnik ist eine wichtige Voraussetzung für die Geburt und jetzt kommen die Hechelkurse ins Spiel ;-). Nein, ich mache nur Spaß, hecheln während der Geburt wird nur noch in Ausnahmefällen empfohlen, da in der Regel die Gefahr viel zu groß ist, dass du hyperventilieren könntest. Aber tatsächlich ist im Geburtsvorbereitungskurs das Atmen ein wichtiges Thema. Aber ist ja auch logisch: Durch das gleichmäßige und tiefe Atmen wird aber nicht nur dein Baby optimal mit Sauerstoff versorgt, auch die Wehenschmerzen werden gelindert und dadurch die Geburt erleichtert.

Hecheln im Geburtsvorbereitungskurs ist out, Atmung aber trotzdem ein sehr wichtiges Thema.

Wir atmen Tag und Nacht ganz selbstverständlich, in der Regel ohne uns dessen bewusst zu sein. Atmung ist aber nicht gleich Atmung. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie die Luft in und aus unserem Körper gelangt:
  1. durch die Nase ein und durch die Nase aus: Das entspricht unserer normalen Atmung.
  2. durch den Mund ein und durch den Mund aus: Bei körperlicher Anstrengung, Stress oder Aufregung reicht die Nasenatmung oft nicht mehr aus, um genügend Sauerstoff aufzunehmen. Die Mundatmung setzt ein.
  3. durch die Nase ein und durch den Mund aus: Diese Art der Atmung hilft beim Beruhigen und Entspannen und ist auch eine Möglichkeit beim Sport vermehrt Sauerstoff aufzunehmen ohne in die Mundatmung überzugehen. Übrigens atmet man (und frau) beim Sex in der Regel auch so. 
Auch wenn während der Wehen schwerfällt, versuche möglichst langsam und gleichmäßig durch die Nase einzuatmen. Am besten schreibe ich mir das auf ein großes Schild und tackere es mir vor die Nase, damit das diesmal auch klappt ;-). Ausatmen kannst du durch die Nase (das wird dir wahrscheinlich nur zu Beginn der Wehen gelingen) oder alternativ durch den leicht geöffneten Mund. Keinesfalls den Mund aufeinanderpressen, denn dadurch verkrampfst du. Der Muttermund kann sich aber nur öffnen und die Geburt vorangehen, wenn du entspannst - ich weiß wovon ich rede, ich war bei meiner ersten Geburt die meiste Zeit völlig gestresst und das war gar nicht hilfreich. Meine Hebamme im ersten Geburtsvorbereitungskurs hat mal gesagt: "Nur bei geöffnetem Mund öffnet sich der Muttermund." Macht irgendwie Sinn, oder? Auch wenn du dir dabei vielleicht blöd vorkommst, wenn du einen Vokal (z. B. Aaaah oder Ooooh) beim Ausatmen tönst, kann dir das sehr helfen, lange auszuatmen und gleichzeitig zu entspannen. Versuche auch mindestens so lange auszuatmen wie du eingeatmet hast, das wirkt ebenfalls beruhigend und verhindert, dass du hyperventilierst. Manchen Frauen hilft wohl auch, langsam beim Ein- und Ausatmen zu zählen, z. B. 5 Sekunden ein und 5 Sekunden aus. Dabei sollst du keinen Zählrekord aufstellen. Es soll dir einfach helfen, ruhiger zu atmen. Mich hat das schon immer beim Schwimmen genervt, wenn wir zum Atmen zählen mussten und auch beim Yoga habe ich grundsätzlich eine andere Atemfrequenz als alle anderen. Ich werde es wohl mal ausprobieren, aber wahrscheinlich ist das nichts für mich. Aber wer weiß!

Die Mundatmung hat einige Nachteile

Die Mundatmung ist generell nicht der optimale Weg für die Atemluft, da sie mit einigen Nachteilen verbunden ist. Atmet man nur durch die Nase, aktiviert man wohl das parasympathische Nervensystem, während die Atmung durch den Mund wahrscheinlich das sympathische Nervensystem anregt. Sypmathikus und Parasympathikus bilden zusammen mit dem Eingeweidenervensystem (enterisches Nervensystem) das vegetative Nervensystem. Diese selbstständige Schaltzentrale steuert für uns unbewusst viele lebenswichtige Körperfunktionen wie Atmung, Verdauung und Stoffwechsel. Sympathikus und Parasympathikus sind dabei Gegenspieler: Ist der eine aktiv, wird der andere in den Hintergrund gedrängt. Daher solltest du unbedingt vermeiden, dass während der Geburt der Sympathikus die Oberhand gewinnt, er ist sozusagen zuständig für kämpfen und flüchten. Problem: Ist der Sympathikus aktiv, ist keine Zeit zum Kinderkriegen. Er sorgt dafür, dass das Herz schneller schlägt, sich die Atemwege erweitern und hemmt die Darmtätigkeit. Der Parasympathikus, der sich um die Körperfunktionen in Ruhe sowie die Regeneration und den Aufbau körpereigener Reserven kümmert, ist auch für die Kontraktion des Uterus zuständig. Im Nachhinein wundert es mich, dass meine erste Geburt "nur" 18,5 Stunden gedauert hat und doch eigentlich ganz gut vorangegangen ist, da ich zumindest im Krankenhaus keine einzige Minute entspannt war. Während der gesamten Zeit hatte mein Sympathikus völligst die Oberhand. Diesmal werde ich meiner Atmung sehr viel mehr Bedeutung beimessen und hoffe, dass auch die diensthabende Hebamme mehr Zeit hat und mich besser unterstützen kann als beim letzten Mal. Ich hoffe, dass ich diesmal die Geburt viel bewusster erlebe und auch aktiver durch die Atmung entspannen kann. Hoffentlich hilft mir, dass ich mich mit Yoga, Meditation und (leider nur ein wenig, weil ich zu spät dran war) Selbsthypnose diesmal sehr viel intensiver mental auf die Geburt vorbereitet habe.

Fehlstart oder geht es los?

Ein sehr interessantes Thema des Kursabends waren auch die Fehlstarts. Mit Fehlstart ist gemeint, dass die werdende Mama denkt "es geht los" und dann stellt sich alles nur als falscher Alarm raus. Offenbar sind sie beim zweiten Kind viel häufiger. Blöd ist dann nur, dass ja schon ein Kind zuhause ist, für das ein Babysitter etc. organisiert werden muss. Und wie erklärt man denn nach einem Fehlstart, dass die Mama nicht mit einem kleinen Geschwisterchen, sondern immer noch mit dickem Bauch zurückkommt? Schwierig. Meine Hebamme hat uns geraten, auch den Babysitter schon mal vorzuwarnen, dass das passieren könnte. Bei unserem kleinen Mann hatte ich nachts um drei die ersten Wehen, um sieben waren wir in der Klinik (da die Wehen alle 5-6 min kamen) und zwei Stunden später wieder daheim - mit dickem Bauch. Meine Wehen waren nicht stark genug, auch wenn sie in regelmäßig kurzen Abständen kamen. Zuhause haben wir dann nochmal gefrühstückt und dann ging es so richtig los. Und die Wehen waren kein Vergleich zu denen in der Nacht, sie waren viel heftiger und ich musste bei jeder Wehe innehalten und sie veratmen. Den Unterschied kenne ich jetzt, aber beim zweiten Kind ist es wohl so, dass Vorwehen oder Senkwehen schon ziemlich heftig sein können und sich so anfühlen wie die "richtigen" Wehen beim ersten Kind. Sie beginnen wohl oft abends und sind nach 2-3 Stunden wieder verschwunden - genug Zeit also, um den Babysitter zu organisieren und einen klassischen Fehlstart hinzulegen ;-). Leider hatte meine Hebamme auch kein Patentrezept dafür, wann wir wirklich sicher sein können, dass es losgeht - jetzt mal abgesehen davon, dass nicht noch gleichzeitig die Fruchtblase platzt. Ich bin also gespannt, wie das bei mir wird. Ich bin jetzt in der 38. Woche und bis auf ein paar kleine Senkwehen in der letzten Woche, ist bei mir bisher alles ruhig. Fragt sich nur noch für wie lange...

Liebe Grüße
Antonie
 

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