Freitag, 15. April 2016

Geburtsvorbereitungskurs - ja oder nein?

Letztendlich kann doch kein Kurs der Welt eine werdende Mama auf eine Geburt oder die Zeit danach mit Baby vorbereiten. Eine Geburt ist eine so unvorstellbare Ausnahmesituation, die sich zwar beschreiben lässt, aber letztendlich muss du sie doch erleben, um die ganzen Erzählungen verstehen zu können. Wenn ich mir überlege, vor welchen Dingen ich in meiner ersten Schwangerschaft im Zusammenhang mit der Geburt Angst hatte, die sich dann in der Situation als völlig unwichtig herausgestellt haben - ich sage da nur Schamgrenze... Oder was ich mir für die Geburt gewünscht hatte und was dann aufgrund der äußeren - nicht planbaren - Umstände einfach nicht möglich war, hätte ich mir doch den ganzen Quatsch sparen können, oder? Und jetzt in meiner zweiten Schwangerschaft weiß ich ja schon, wie das Ganze abläuft und könnte mir den Kurs erst recht sparen, oder? Warum also saß ich am vergangenen Dienstag Abend mit 8 anderen Kugelbäuchen - und den zugehörigen Mamas ;-) - knappe 2 Stunden auf einer Yogamatte und hatte den ersten Abend meines 2. Geburtsvorbereitungskurses?

Der Geburtsvorbereitungskurs ist eine prima Möglichkeit, dich intensiv mit deiner Schwangerschaft auseinander zu setzen.

Wenn ich in der letzten Zeit nebenbei oder auf Nachfrage erwähnt hatte, dass ich jetzt in meiner 2. Schwangerschaft wieder einen Geburtsvorbereitungskurs besuchen möchte, habe ich alle möglichen Reaktionen erlebt. Von "Finde ich super - habe ich auch gemacht!" zu "Wieso das denn, bitte?" inklusive ungläubigem Blick war wirklich alles dabei. Ich hatte, ehrlich gesagt, nie groß darüber nachgedacht, ob ich wieder einen Geburtsvorbereitungskurs machen will. Mir war das einfach klar. Aber nach der ersten negativen Reaktion habe ich mir Gedanken gemacht, warum ich mir das Ganze eigentlich nochmal anhören will. Meine 3 Gründe sind:

Es macht Spaß, andere Mamas kennenzulernen 

Die Mädels aus meinem ersten Geburtsvorbereitungskurs waren eine echt coole Truppe. Wir haben uns regelmäßig getroffen, gequatscht und uns ausgetauscht. Meistens war dabei noch eine nicht zu vernachlässigende Menge Eis oder Kuchen im Spiel. Mit der Zeit wurden die Treffen unregelmäßiger und als die ersten Mamas wieder angefangen haben zu arbeiten und dann auch noch 3 aus der Truppe weggezogen sind, haben sich unsere Interessen verschoben - was auch völlig ok war. Ich habe aber auch schon oft gehört, dass richtig enge Freundschaften im Geburtsvorbereitungskurs entstanden sind. Mit den anderen Mamis ist es ein bisschen so wie damals mit den Schulfreundinnen. Du teilst die intimsten Ängste und Sorgen und lernst dich wirklich intensiv kennen. Ich bin sehr gespannt, wie es dieses Mal wird. Interessant ist, dass meine jetzige Hebamme die Kurse in Erstgebärende und schwangeren Mamas trennt. Ich bin also jetzt in einem Kurs, in dem wir alle unser zweites Kind erwarten.

Ich muss meine erste Geburt noch verarbeiten

Ich habe das Gefühl, dass ich die Geburt meines kleinen Mannes, die leider nicht gerade einfach war, noch nicht ganz verarbeitet habe und noch nicht bereit bin, das noch einmal durchzumachen. Wir sind letztendlich glimpflich davongekommen, aber gefühlt ging alles schief, was nur schief gehen konnte. An dem Tag kamen in 3 Kreissälen 20 Babys zur Welt und obwohl alle ihr bestmögliches getan haben, konnte ich mir die Geburt nicht "erarbeiten" - so wie ich mir das vorgestellt hatte. Ich hatte mir extra keinen Geburtsplan ausgearbeitet, weil ich mir sicher war, dass dann sowieso alles anders läuft und ich nicht enttäuscht sein wollte. Dass ich aber so komplett auf mich allein gestellt sein würde, hatte ich nicht erwartet. Wir waren die meiste Zeit allein (zumindest die ersten Stunden hatte keine der Hebammen Zeit für uns), ich bekam keine PDA, obwohl ich eine gewollt hatte (erst hatte kein Arzt Zeit bzw. war kein geeigneter Raum verfügbar, dann war es zu spät). In der Austreibungsphase hatte ich erst einen Geburtsstillstand und dann waren plötzlich die Herztöne des kleinen Mannes weg, sodass ich einen Wehenhemmer bekommen habe. Als sich die Herztöne wieder erholt hatten, wurde mit einem Wehenförderer die Geburt quasi nochmal eingeleitet. Letztendlich musste der kleine Mann nach 18,5 Stunden aufgrund eines pathologischen CTG und schlechter Herztöne mit der Saugglocke geholt werden. So hatte ich mir die Geburt definitiv nicht vorgestellt und ich bin nicht besonders scharf auf eine Wiederholung. Wenn ich mir aber meinen Kugelbauch so anschaue, ist es für Zweifel jetzt aber wohl zu spät ;-). Ich setze darauf, dass die letzten Wochen beschwerlich werden und ich es dann kaum erwarten kann, dass das Baby endlich rauskommt. Ich hoffe, der Geburtsvorbereitungskurs hilft mir dabei, meine erste Geburt nochmal aufzuarbeiten. Ich habe am Dienstag gemerkt, wie sehr mich das aufwühlt, darüber zu sprechen. Und all die Gefühle und Emotionen rauszukramen und zuzulassen, ist meiner Meinung nach der erste Schritt auf dem richtigen Weg.

Das Baby soll auch (mal) im Mittelpunkt stehen

Wenn mich jemand in meiner ersten Schwangerschaft nachts geweckt hätte und mich im Kommandoton angebellt hätte, in welcher Woche ich sei, hätte ich wohl zurückgebrüllt: "26+4!!!" An der Antwort erkennt man sofort die Erstgebärende, hihi! Anfang dieser Woche habe ich mich gefragt, in welchem Monat ich denn überhaupt bin und dann schockiert festgestellt, ich bin schon im achten! Ich höre das von allen Seiten - es scheint also irgendwie normal zu sein - und trotzdem bedauere ich das sehr: Die zweite Schwangerschaft läuft irgendwie viel mehr "nebenbei" ab. Um diese Zeit hatte ich bei unserem kleinen Mann bereits das Kinderzimmer eingerichtet, war gerade dabei, die Babysachen zu waschen, die Erstausstattung zu kaufen und mir so ganz langsam Gedanken zu machen, was ich denn in meine Kliniktasche packe. So weit bin ich noch nicht, ehrlich gesagt, habe ich mir gerade mal den Stift rausgesucht, mit dem ich meine To-Do-Liste schreiben will ;-). Dass die Schwangerschaft etwas weniger im Mittelpunkt steht als beim ersten Kind, hat aber auch durchaus seine Vorteile: Als schwangere Mama ist man auf jeden Fall sehr viel entspannter, was die Vorbereitungen auf das Baby angeht. In ca. 3 Wochen werde ich aufhören zu arbeiten und spätestens dann geht es intensiv an den Nestbau. Der Geburtsvorbereitungskurs ist schon mal die Einstimmung darauf und ich finde es schön, dass das Baby momentan zumindest an einem Abend in der Woche komplett im Mittelpunkt stehen darf.

Geburtsvorbereitungskurs? Ich persönlich kann ihn nur empfehlen!

Als wir in der Vorstellungsrunde erzählt haben, was wir uns von dem Kurs erwarten, haben die meisten ähnlich geantwortet wie ich. Einige der anderen Mamas haben noch angegeben, dass sie sich freuen, einen Abend in der Woche ganz für sich allein zu haben. Den Geburtsvorbereitungskurs beginnst du in der Regel so um die 28. Woche. Deine Hebamme, die du dir zur Sicherheit frühzeitig suchen solltest, berät dich sicher gerne, wann du am besten startest. Das ist natürlich auch abhängig davon, wie und wann sie ihre Kurse anbietet. Ich habe übrigens in meinem ersten Geburtsvorbereitungskurs weder gesungen, noch irgendwelche Bäuche angemalt, noch irgendwelchen (unangenehmen) Unsinn machen müssen. Ich denke auch nicht, dass das diesmal der Fall sein wird. Es war einfach immer total nett! Ich freue mich auf die nächsten 7 Abende und hoffe, dass anschließend noch einige Kuchenorgien mit den Mamis folgen werden ;-).


Die Themen der Kursabende

Veränderungen in der Schwangerschaft (1. Kursabend)
Stillen (2. Kursabend)
Bewusstes Atmen, Wehen und Geburtsbeginn (3. Kursabend)
Becken und Beckenboden (4. Kursabend)
Geburtsverlauf (5. Kursabend) 
Geburt: Eröffnungsphase (6. Kursabend / 1. Partnerabend)
Geburt: Begrüßungsphase (7. Kursabend / 2. Partnerabend)
Stillen und Wochenbett (8. Kursabend)


Wie ist es euch in euren Geburtsvorbereitungskursen so ergangen? Was waren eure Gründe, auch beim zweiten Kind einen Kurs zu machen oder warum habt ihr euch dagegen entschieden? Habe ihr eure Partner mitgenommen? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Liebe Grüße
Antonie
 

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