Montag, 15. Februar 2016

Basenfasten (Säure-Basen-Diät)

Pünktlich zur Fastenzeit haben verschiedene Fastenkuren Hochkonjunktur. Ich persönlich finde das Intervallfasten hochinteressant, auch wenn die Wissenschaft dazu noch in den Kinderschuhen steckt. Eine Form des moderaten Fastens ist z. B. das Basenfasten, das aus ernährungswissenschaftlicher Sicht durchaus empfehlenswert ist - auch wenn die Theorie dahinter etwas fragwürdig erscheint. Streng genommen ist Basenfasten kein wirkliches Fasten, da nur auf bestimmte Lebensmittel verzichtet wird.

Saure Lebensmittel - wie z. B. Zitronen - sind nicht zwangsläufig Säurebildner

Das Basenfasten beruht auf der Hypothese, dass eine fett- und zuckerreiche Ernährung zu einer Gewebeübersäuerung (Azidose) führen kann. Sie soll nicht nur den Stoffwechsel durcheinander bringen und Übergewicht begünstigen, sondern wird auch mit allen möglichen Zivilisationskrankheiten in Verbindung gebracht. Typ-2-Diabetes, Arthrose, Rheuma oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sind nur einige Beispiele. Manche gehen sogar soweit, eine Gewebsübersäuerung als Ursprung so ziemlich jeder Krankheit anzusehen. Die überschüssigen Säuren sollen basische Mineralien aus den Knochen ziehen und eine Demineralisierung begünstigen. Zudem sollen sich die entstehenden Salze und die Säuren selbst in den Zellen und im Bindegewebe ablagern. Basenfasten soll den Säure-Basen-Haushalt des Körpers wieder ins Gleichgewicht bringen.

Macht sauer wirklich lustig?

Die Grundidee des Basenfastens ist, alle Lebensmittel in die Kategorien basisch und säurebildend (bzw. basisch, neutral und säurebildend) einzuteilen und das Ziel, möglichst auf Säurebildner zu verzichten. Strenge Formen des Basenfastens fordern eine hundertprozentige basische Ernährung. Meistens wird aber eine basenüberschüssige Kost empfohlen, die sich aus 70-80 % basischen (und neutralen) und höchstens 20-30 % säurebildenden Lebensmitteln zusammensetzt, um den Stoffwechsel auszubalancieren.  Aber was macht denn nun ein Lebensmittel zum Säurebildner?

Vereinfacht gesagt sind fast alle pflanzlichen Lebensmitteln basisch und die meisten tierischen Produkte wirken übersäuernd. Aber auch Hülsenfrüchte, Getreide(produkte), Zucker, einige Nüsse, Kaffee, schwarzer und grüner Tee werden in der Regel zu den Säurebildnern gezählt. Hier eine kleine Übersicht:

Basische Lebensmittel

  • erntefrisches Gemüse (idealerweise vom Wochenmarkt oder in Bio-Qualität)
  • Sprossen
  • Blattsalat
  • Pellkartoffeln
  • frische Früchte
  • Trockenobst (ungeschwefelt)
  • Tofu und Sojaprodukte (ungesüßt)
  • Mandeln
  • stilles Wasser
  • Kräutertee
  • frisch gepresste Obst- und Gemüsesäfte
  • Gemüsebrühe, Basenbrühe, Gemüsesuppe
  • kaltgepresste Pflanzenöle

Neutrale Lebensmittel

  • Milch
  • Naturjoghurt
  • Molke, Kefir
  • Hirse

Säurebildende Lebensmittel

  • Fleisch, Wurst
  • Fleischbrühe
  • Speck, Schmalz
  • Fisch, Meeresfrüchte
  • Hülsenfrüchte
  • Vollkorn(produkte)
  • Frittiertes
  • Zucker
  • Süßigkeiten
  • Weißmehl(produkte)
  • Hartkäse
  • Kaffee
  • schwarzer und grüner Tee
  • Limonaden, Cola, Light-Getränke
  • Alkohol

Je nach Philosophie weichen die Einteilungen etwas voneinander ab. Besonders bei den Milchprodukten gehen die Meinungen auseinander, ob sie neutral oder doch säurebildend sind. In manchen Ernährungsplänen wird auch zwischen “guten“ und “schlechten“ Säurebildnern unterschieden. Zu den guten Säurebildnern zählen beispielsweise Vollkorn(produkte) und Hülsenfrüchte, die kombiniert mit basischen Lebensmitteln trotzdem empfehlenswert sind. Schlechte Säurebildner sollte man besser meiden. Weitere Übersichten gibt es z. B. hierhier oder hier.

Fleisch macht den Urin sauer - das Gewebe auch?

Oft wird der nach dem Verzehr von bestimmten Lebensmitteln messbar saure pH-Wert im Urin als Beweis herangezogen, dass dieses Lebensmittel übersäuert wirkt, beispielsweise Fleisch. Vielleicht ist dieser Effekt aber auch nur ein Indiz dafür, dass die Säure-Basen-Regulation im Körper einwandfrei funktioniert? Der pH-Wert im Urin sagt nämlich nur wenig über den Gewebezustand aus. Fakt ist: Bestimmte Krankheiten, z. B. Typ-2-Diabetes, können zu Stoffwechselentgleisungen führen und eine chronische Gewebeübersäuerung hervorrufen. Dies ist z. B. Beim diabetischen Koma der Fall. Im Normalfall sorgt jedoch das körpereigene Säure-Basen-Puffersystem dafür, dass es zu keiner Übersäuerung durch die Nahrungsaufnahme kommt. Einen wissenschaftlich anerkannten Beweis für die Übersäuerungstheorie gibt es nicht.

Sattessen erlaubt, Kalorienzählen unnötig

Die Theorie von einem übersäuerten Körper, der den Stoffwechsel beeinflusst, gilt mittlerweile als überholt. Dass bei der Säure-Basen-Diät viel Gemüse, Salat und Obst auf dem Speiseplan stehen, ist aus ernährungswissenschaftlicher Sicht sehr positiv zu sehen, genau wie die Empfehlung Fast Food, Süßigkeiten, Weißmehl und Soft Drinks zu meiden. Zudem entfällt lästiges Kalorienzählen und man kann sich an den basischen Lebensmittel satt essen. Der völlige Verzicht auf vermeintlich säurebildende Lebensmittel könnte aber langfristig zu Mangelerscheinungen führen, z. B. im Hinblick auf Vitamin B12 und ggf. Kalzium und Jod.

Fazit

Wer eine etwas lockerere Variante des Basenfastens wählt (z. B. 60:40 oder 70:30), die “Säureprozente“ nicht nur in Süßigkeiten oder Alkohol, sondern auch in wertvolle Proteinquellen investiert und clever kombiniert, tut sich auf jeden Fall etwas Gutes. Und da die basischen Lebensmittel größtenteils kalorienarm sind, sollten die Pfunde ganz nebenbei purzeln. Auch ein regelmäßiger Basentag (z. B. 1-2 Mal pro Woche) ist für Gesunde sicher empfehlenswert. Bei chronischen Erkrankungen und wer unsicher ist, ob diese Ernährungsform für einen geeignet ist, besser mit dem Arzt individuell abklären. Von Basenfasten in der Schwangerschaft wird generell eher abgeraten. Auch wenn sich Schwangere vorzugsweise basenreich ernähren sollten mit viel Obst, Salaten, Gemüsen und Kräutern, dürfen in der Schwangerschaft Säurebildner wie Käse, Fisch, evtl. Fleisch, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte keinesfalls fehlen.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...