Montag, 15. Februar 2016

Warum lieben wir ungesundes Essen?

Die letzten Jahre habe ich zu viel und dazu noch das Falsche gegessen. Ich habe mindestens einmal am Tag irgendetwas gegessen, obwohl ich weder Hunger noch Appetit hatte. Oder ich hörte nicht auf zu essen, obwohl ich schon längst satt war.

Es ist keine Frage der Disziplin: Wir sind genetisch darauf programmiert, hochkalorische Nahrung zu bevorzugen.

Ich lasse mich leicht von Essen verführen und dann kann es passieren, dass ich so richtig zuschlage. Portionsgrößen waren, ehrlich gesagt, noch nie meine Stärke. Obwohl ich vorher schon wusste, dass es meinem Körper nicht guttun wird, ist der "Schweinkram" doch immer wieder auf meinem Teller gelandet. Im Zuge der Achtsamkeit fragte ich mich also: "Warum?" Meine Antworten waren:

"Weil ich gerade müde bin und lieber schlafen würde."
"Weil ich gerade keine Lust habe zu arbeiten."
"Weil es gerade da ist."
"Weil es so gut schmeckt."
"Weil ich gerade keine Lust habe zu bügeln/waschen/putzen/etc."
"Weil ich es morgen wegschmeiße, wenn ich es jetzt nicht esse."
"Weil ich mich gerade geärgert habe über irgendetwas/irgendjemanden."

Jetzt sollte man doch meinen, dass das keine Gründe sind etwas zu essen, oder doch? Bringe ich vielleicht einfach nur nicht genügend Disziplin auf? Oder ist das "Überessen" gar nicht eine Frage der Disziplin, sondern vielmehr der Kompensation? Wann habe ich nur meine Achtsamkeit beim Essen verloren?

Ich weiß ja eigentlich, wie es geht, trotzdem habe ich Übergewicht. Ich kenne den Unterschied zwischen "gesunden" und "ungesunden" Lebensmitteln, trotzdem traf ich oft eine Wahl, die meinem Körper nicht guttat. Bei den folgenden Produkten wusste ich schon im Vorfeld, dass mir danach schlecht sein, ich mich unwohl fühlen würde, aufgebläht wäre oder Sodbrennen bekäme:
  • Chips
  • Gummibärchen
  • Softdrinks wie Fanta, Cola, Eistee
  • frittierter Süßkram wie Donoughts oder Krapfen
  • Wurst/Fleischsalat
  • Croissant mit Nutella
  • die Kombination Milchkaffee und Kuchen
  • Sonntagsbraten mit viel Soße und Klößen

Süßes und Fettes belohnt die Suchtzentren im Gehirn

Wenn ich mir die Liste so ansehe, fallen mir dazu drei Dinge ein: Fett, Salz, Zucker. Wir sind genetisch darauf programmiert, kalorienreiche Nahrung zu bevorzugen - das ist nichts Neues. Bereits der Anblick von fett- und zuckerhaltiger Nahrung setzt in unserem Gehirn den Botenstoff Dopamin frei, der das Belohnungszentrum des Körpers aktiviert. Tatsächlich haben Forscher herausgefunden, dass es die gleichen Gehirnregionen sind, die auch das Suchtverhalten steuern und intensive Glücksgefühle auslösen können. In der Steinzeit war diese körpereigene Reaktion überlebenswichtig und die Motivation, kalorienreiche Nahrung zu beschaffen. Heutzutage aber, wo wir ständig und überall den Zugang zu kalorienreichen Produkten haben (bei Chips kann man ja kaum noch von einem Lebensmittel sprechen), ist dieser Mechanismus geradezu fatal für die schlanke Linie.

Es ist keine Frage der Disziplin

Es gibt neue Erkenntnisse, nach denen Menschen, die viel Fast Food über einen längeren Zeitraum verzehren, möglicherweise immer mehr Zucker und Fett brauchen, nicht um sich besonders gut, sondern um sich normal zu fühlen. Machen sie dann einen Diät, fühlen sie sich doppelt elend: Sie haben nicht nur Hunger, sondern sind sozusagen auch noch "auf Entzug". Es ist also KEINE Frage der Disziplin. Dicke sind nicht einfach "nur willensschwach", ihre körpereigene Gewichtsregulation ist aus dem Gleichgewicht geraten. Zudem kämpfen Übergewichtige oft mit zwei weiteren Problemen: Sie haben erstens mehr Hunger als Normalgewichtige und wenn sie es schaffen abzunehmen, sinkt der Grundumsatz oft auf ein unangemessen niedriges Niveau. Bisher ist noch unklar, wie wichtig der Einfluss der Gene auf die Steuerung von Hunger und Gewichtsregulation ist - dass die Gene einen Einfluss habe, das scheint aber sicher zu sein.

Ist das jetzt also ein Grund zu sagen, das funktioniert doch eh alles nicht?

Warum anstrengen, wenn meine Gene und sowieso die ganze Welt gegen mich ist? Weil es einfach so viel mehr Lebensqualität bringt, sich gut in seinem Körper zu fühlen. Wir, die ein bisschen flauschig sind, müssen uns einfach mehr anstrengen! Der Grundumsatz lässt sich mit Bewegung und damit verbundenem Muskelaufbau steigern und das Hungergefühl lässt sich zu einem gewissen Grad trainieren. Ich merke auch, dass wenn ich eine Zeitlang kleinere Portionen esse oder ab und an mal einen kalorisch mageren Tag einlege, dass ich weniger Hunger habe. Dass ich, wenn ich eine Zeitlang auf "Schweinkramentzug" war, diese ungesunden Lebensmittel (meist) gar nicht mehr vermisse und richtig Lust auf gesundes Essen habe. Und wenn die Portionen einfach groß sein müssen, dann packe ich automatisch kalorienarme Magenfüller wie Gemüse und Salat auf den Teller, an denen man sich so richtig sattessen kann.

You are what you eat - und wer willst DU sein?

Liebe Grüße
Antonie

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