Montag, 11. Januar 2016

Supersize Me (2003)

Supersize Me - by Morgan Spurlock
Supersize Me ist ein filmisch festgehaltener Selbstversuch des US-amerikanischen Regisseurs Morgan Spurlock, der sich 30 Tage lang ausschließlich von McDonalds-Produkten ernährt. Die Regeln sind denkbar einfach: 3 vollständige Mahlzeiten pro Tag bei McDonalds zu essen, jedes Produkt mindestens einmal in den 30 Tagen bestellen, stets zu bejahen, wenn er nach der Supersize-Option gefragt wird und (angelehnt an den Durchschnittsamerikaner) weniger als 5000 Schritte pro Tag gehen. Die Idee zum Film kam Spurlock als er November 2002 von 2 adipösen Teenager laß, die den Fast-Food-Riesen McDonalds verklagten, da dieser angeblich Schuld an ihrem Übergewicht hatte. Zu Beginn des Selbstversuchs ist er topfit, durchtrainiert, bewegt sich viel, hat keine Gewichtsprobleme und ernährt sich nach eigenen Angaben gesund. Seine Freundin ist eine vegetarische Köchin, die an letzterem sicher nicht unschuldigt ist. Seine "Werte" wie Cholesterinspiegel, Blutdruck etc. sind überdurchschnittlich gut.

12 Kilo in 30 Tagen

In nur 30 Tagen McDonalds-Diät nimmt Spurlock rund 12 kg zu, sein Cholesterinspiegel schnellt um 65 Punkte in die Höhe, seine Leberwerte sind "bedenklich". Nach spätestens 3 Wochen riet ihm jeder der 3 Ärzte dringend, den Selbstversuch zu beenden (was er natürlich nicht macht). Auch seine psychische Verfassung leidet. Spurlock fühlt sich schlapp und müde, sein Sexleben leidet aufgrund seines nachlassenden Stehvermögens und er zeigt erste Anzeichen eines Suchtverhaltens: Er ist den ganzen Tag schlecht gelaunt und sobald er die nächste Mahlzeit verputzt, wird er geradezu euphorisch. Garniert wird der Selbstversuch mit zahlreichen Infos: die steigende Fettleibigkeit der Amerikaner und die Misere in der Schulverpflegung. Außerdem zeigt er in allen Einzelheiten, wie der McDonalds-Konzern mit in Spurlocks Augen "billigen Tricks" schon die ganz Kleinen konditioniert und an sich bindet mit Spielbereichen, dem Happy Meal und Geburtstagspartys. Diese Praktiken prangert er meiner Meinung nach zu Recht an.

Anabolika und Cholesterinsenker?

Einige Kritiker sind der Meinung, dass nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein könne. Die beobachteten Leberschäden und Spurlocks beginnende Impotenz seien allein durch die einseitige Ernährung nicht zu erklären. Möglicherweise könnten Anabolika im Spiel gewesen sein, die auch die drastische Gewichtszunahme erklären würden. Eine anschließend durchgeführte schwedische Studie von Fredrik Nyström, bei der die 18 Probanden täglich 6600 kcal konsumieren und sich nicht mehr als 5000 Schritte bewegen durften, bestätigten das Ergebnis von Spurlock nur teilweise. Die Gewichtszunahme war sehr variabel und blieb zum Teil völlig aus, die Cholesterinwerte besserte sich teilweise sogar. Eine weitere Vermutung ist, dass Spurlock vor Beginn des Experiments Cholesterinsenker eingenommen hatte, da seine Werte nach der Burgerdiät für einen Mann seines Alters normal und vorher überdurchschnittlich gut waren. Es bleiben einige Fragen offen und man sollte nicht alles glauben, was behauptet wird. Schon an der Auswahl der Interviewpartner merkt man, dass nicht beide Seiten gerecht zu Wort kommen, auch wenn der Film den Anschein erwecken soll. Es kommen Ernährungswissenschaftler und Mediziner zu Wort, aber auch McDonalds-Sprecher und Fast-Food-Lobbyisten, die sich teilweise aber wenig schmeichelhaft um Kopf und Kragen reden.

Die beiden übergewichtigen Teenager haben übrigens ihren Prozess verloren und der US-Kongress verabschiedete anschließend ein Gesetz, das Klagen, die an die Verantwortung der Unternehmen appelliert, untersagen. McDonalds hat dagegen interessanter Weise die Supersize-Option kurz vor dem Start des Films aus dem Programm genommen und versucht gesundheitsbewusster aufzutreten. Allerdings haben einige der neueingeführten Salate ähnlich viele Kalorien und Fett wie ein BigMac.

Fazit

Das Wort Dokumentation habe ich Text bewusst gemieden. Ich bin der Meinung, der Film zeigt einen Selbstversuch eines Einzelnen, der auf sehr wackeligen wissenschaftlichen Beinen steht. Ich hätte mir ein Studiendesign mit mindestens 30 Personen plus Kontrollgruppe gewünscht und anschließend eine statistische Auswertung, ob signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen zu sehen sind. Spurlock "dokumentiert" zwar seinen körperlichen "Verfall" und lässt sich von Ärzten überwachen, unter einer Dokumentation verstehe ich aber etwas anderes. Nichtsdestotrotz ist der Film sehr unterhaltsam, auch wenn man einige Infos kritisch hinterfragen (Ist die gezeigte wirklich die Durchschnittsverpflegung der amerikanischen Schüler?), man nicht alles blind glauben sollte (Ging der Selbstversuch wirklich mit rechten Dingen zu?) und viele Fragen offen blieben (Woher kommt diese Lust auf Fast Food obwohl es ungesund ist? Warum gibt es diese gigantischen regionalen Unterschiede in Bezug auf Fettleibigkeit in den USA?). Dass Burger, Pommes und Co. keine gesunde Dauerernährung sind, das ist ein alter Hut. Aber ob und wie schädlich Fast Food ist und welche Menge als unbedenklich eingestuft wird, darauf hat der Film leider keine konkrete Antwort. Schade.

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