Dienstag, 5. Januar 2016

Paleo - Die Steinzeitdiät

Die Paleo Diät (oder Paläo Diät) orientiert sich an der Ernährungsweise unserer Jäger-und-Sammler-Vorfahren. Paleo ist eigentlich keine klassische Diät: Nicht das Abnehmen steht im Focus, sondern die Ernährungsumstellung mit dem Ziel, den Menschen fit und gesund zu halten. Die Paleoaner gehen davon aus, dass sich der Mensch in der heutigen Zeit nicht mehr "artgerecht" ernährt und argumentieren, dass unser Verdauungstrakt immer noch auf die Kost unserer Steinzeit-Ahnen eingestellt ist. Lebensmittel, die unsere Ahnen durch Ackerbau und Viehzucht in den Speiseplan aufgenommen haben, würden dem Körper schaden und seien der Grund für Übergewicht und den Anstieg von Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Autoimmun-Erkrankungen und Krebs. Aber ist das wirklich so?

Ernährung wie in der Steinzeit: Das Holzfeuer ist aber kein "Muss" - ein stinknormaler Herd tut's auch ;-)

Milchprodukte, Getreide, Zucker und Hülsenfrüchte sind tabu

Paleo steht für das Paläolithikum, die Altsteinzeit, daher auch der Name Steinzeitdiät. Die Idee ist, sich so zu ernähren wie damals - als die Menschen weder Getreide noch Hülsenfrüchte oder Milchprodukte kannten. Auf dem Speiseplan stehen daher Gemüse, Salat, Pilze, Fleisch, Fisch, Eier, Fett, Früchte und Nüsse - Zucker, Getreide, Milch und auch die meisten Pflanzenöle sind tabu. Auch auf sämtliche Getreideprodukte, nicht nur Brot, Gebäck und Nudeln, sondern auch Couscous, Bulgur etc. sowie Hülsenfrüchte, Zusatzstoffe und Fertigprodukte wird verzichtet. Honig und Ahornsirup sind zum Süßen erlaubt, als gesunde Fette gelten Ghee (geklärte Butter), Kokosöl, Olivenöl, Avocadoöl, Macadamia-, Walnuss- und Sesamöl, Palmöl sowie Speck und Schmalz. Es scheiden sich die Geister, ob auf Kartoffeln und Reis verzichtet werden sollte und ob hochwertige Milchprodukte nach einer gewissen Zeit wieder in den Speiseplan eingebaut werden dürfen (sofern sie dem Körper guttun). Je nach Ansatz bzw. Philosophie wird Paleo sehr unterschiedlich umgesetzt, wichtig ist die Ausgewogenheit: Eine optimale Mahlzeit besteht zum größten Teil aus Gemüse, aus einer Proteinquelle (einer Portion Fleisch, Fisch oder Ei), ausreichend Fett und etwas Obst.

Was für die Paleo Diät spricht

Das Konzept und die Richtlinien sind einfach zu verstehen und umzusetzen. Der Verzicht auf Fast Food, industriell verarbeitete Lebensmittel, Weißmehl und Zucker sind ernährungsphysiologisch sinnvoll und deckt sich mit den Empfehlungen der DGE, genau wie der Rat viel ballaststoffreiches Gemüse und Salat zu verzehren. Dadurch erniedrigt sich die Energiedichte der Mahlzeiten: Man kann große Volumina verdrücken, die wenig Kalorien haben und wird trotzdem satt. Der Verzicht auf einfache Kohlenhydrate in Form von Weißmehl und Zucker lässt den Blutzuckerspiegel nicht mehr Achterbahn fahren, dem Heißhunger wird effektiv vorgebeugt. So lassen sich viele Kalorien einsparen und die Kilos purzeln.

Was gegen die Paleo Diät spricht

Hauptargument der Kritiker ist: Es gibt nicht DIE EINE Steinzeiternährung. Ehrlich gesagt wissen nicht genau, wie sich unsere Vorfahren damals ernährt haben - von den klimatischen und geographischen Unterschieden mal ganz abgesehen. Zudem wird sich die Ernährung über einen Zeitraum von 2,5 Millionen Jahren auch ein klitzekleines bisschen verändert haben (Achtung Ironie!). Was noch gegen die Paleo Diät spricht: Wir leben nicht mehr in der Steinzeit, unsere Umwelt hat sich gravierend verändert. Wir müssen nicht mehr wochenlang dem Büffel hinterherjagen und uns die nötigen Kalorien hart erkämpfen, sondern gehen einfach in den Supermarkt um die Ecke. Dementsprechend bewegen wir uns im Hinblick auf die Nahrungsbeschaffung sehr wenig. Weiterhin ist es fraglich, ob sich unser Verdauungstrakt nicht doch im Laufe der letzten 10.000 Jahre an die veränderte Kost angepasst hat. Das beste Beispiel dafür ist die Laktosetoleranz. Wo traditionell Milchwirtschaft betrieben wird, vertragen auch mehr Menschen Laktose. Durchschnittlich 90 % der erwachsenen Nordeuropäer können Milch verdauen, Tendenz abnehmend in Richtung Süden. In Asien vertragen nur etwa 6 % der Erwachsenen Milch. Und das letzte wichtige Argument: In einigen Gegenden der Welt waren und sind Getreide und Milch lebensnotwendige Grundnahrungsmittel. Sind sie damit nicht Bestandteil der natürlichen Evolution? Das mit der Evolution ist so eine Sache: Es geht weniger um absolute Gesundheit als vielmehr um optimale Fitness und darum, möglichst viele Nachfahren in die Welt zu setzten, um die Art zu erhalten. Ob der Mensch danach krank wird, ist der Evolution quasi egal.

Fazit

Es ist fraglich, ob die optimale Ernährung von vor 10.000 Jahren auch heute noch die optimale Ernährung ist. Das Grundkonzept der Paleo Diät mit viel Gemüse und Obst, Nüssen, Samen, Pilzen sowie (in Maßen) Protein in Form Fisch, Fleisch und Eiern ist gesund. Möglichst hochwertige und naturbelassene Lebensmittel zu essen und auf hochverarbeitete Produkte, Zusatzstoffe, Zucker, Weißmehl und minderwertige Fette zu verzichten, deckt sich mit den Empfehlungen der DGE. Wer meint Paleo ist eine Fleischfresserdiät à la Atkins, hat das Konzept falsch verstanden - die Ernährungsweise soll hauptsächlich pflanzenbasiert sein. Mit der Paleo Diät sind aber gravierende Einschränkungen verbunden, die mit jahrzehntelangen Gewohnheiten bricht - was nicht immer falsch sein muss. Vor allem der Verzicht auf Getreide kann schwer sein. Zudem erhöht sich meist zwangsläufig der Verzehr von tierischen Produkten, da vegetarische Proteinquellen wie Hülsenfrüchte und Sojaprodukte ausfallen. Ob man wirklich auf hochwertige Lebensmittel wie Getreide, Milchprodukte und Hülsenfrüchte im Rahmen einer abwechslungsreichen Kost verzichten sollte, wenn kein Anlass dafür besteht, halte ich für sehr fraglich. Glücklicherweise sind die Paleoaner meist nicht "überdogmatisch", sodass jeder mit dieser Ernährungsweise seinen individuellen Ansatz finden kann.

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