Dienstag, 5. Januar 2016

Metabolic Balance

Metabolic Balance ist keine Diät im herkömmlichen Sinne, sondern eine ganzheitliche Stoffwechselumstellung - so die Aussage des Ernährungsmediziners Dr. Wolf Funfack, der das Stoffwechselprogramm zusammen mit der Lebensmitteltechnik-Ingenieurin Silvia Bürkle 2002 erfunden hat.

Ausschnitt meiner MB-Lebensmittelliste von 2010

Der Ernährungsplan wird individuell auf den eigenen Stoffwechsel abgestimmt, der von einem Computerprogramm basierend auf diversen Blutwerten, persönlichen Vorlieben und Abneigungen, Krankheiten und Unverträglichkeiten erstellt wird. Wie genau das funktioniert ist unklar, die Erfinder verraten ihre "Geheimformel" nicht. Versprochen werden "die signifikante Verbesserung vieler Beschwerden, [...] Energiezuwachs, höhere Leistungsfähigkeit, tieferer Schlaf und die langfristige, gesunde Stabilisierung Ihrer Gewichtserfolge". Abgesehen davon, dass die Theorie hinter dem Stoffwechselprogramm einer ernährungswissenschaftlichen Überprüfung nicht standhält, ist das Grundkonzept aber trotzdem nicht schlecht. Doch taugt Metabolic Balance auch zum Abnehmen und wenn ja, kann man das Gewicht danach auch halten?

Die 4 Phasen von Metabolic Balance

Letztendlich ist MB eine kalorienreduzierte Mischkost mit erhöhtem Proteinanteil und reduziertem Kohlenhydratanteil, die sich in 4 Phasen gliedert:
  • In Phase 1 (Vorbereitungsphase) wird der Körper ähnlich wie bei einer Fastenkur durch 2 Tage leichte Kost auf die Ernährungsumstellung vorbereitet (inklusive Darmreinigung am ersten Tag, z. B. mit Magnesiumsulfat). Man hat die Wahl zwischen einem Obst-, Gemüse-, Reis- oder Kartoffeltag. Die Menge ist streng begrenzt (z. B. 1 kg Obst) und soll auf 3 Mahlzeiten verteilt werden. Oder man isst 1/2 Frühstück, mittags eine Gemüsesuppe und einen Apfel und abends gekochtes Gemüse oder Salat ohne Dressing.
  • Die Phase 2 (strenge Umstellungsphase) dient der Gewichtsabnahme und dauert mindestens 14 Tage. Erlaubt sind die Lebensmittel der individuellen Liste (in meinem Fall viele verschiedene Sorten Gemüse, wenige Sorten Obst, Fisch, Meeresfrüchte, Milch, Haferflocken, mageres Fleisch, Naturjoghurt, Limburger, Quark, diverse Sorten Bohnen und Tofu) und die der Zusatzliste (z. B. Roggenvollkornbrot, Eier, Tee, Kaffee - natürlich mengenmäßig streng limitiert). Nudeln, Reis, Kartoffeln und Brot (außer Roggenvollkorn) sind verboten. Nach 14 Tagen soll man pro Tag 3 EL kalt gepresstes Öl ergänzen.
  • In Phase 3 (gelockerte Umstellungsphase) erweiterte sich die Liste erlaubter Lebensmittel (bei mir waren es in jeder Kategorie 2-3 Lebensmittel und ich dufte wieder wenige Sorten Schnittkäse essen). Zudem ist eine Schlemmermahlzeit pro Woche erlaubt und der Körper wird wieder langsam an Kohlenhydrate wie Nudeln, Reis und Kartoffeln herangeführt (dabei muss die Waage genau im Blick gehalten werden). Ab jetzt wird auch Bewegung empfohlen.
  • Die Phase 4 (Erhaltungsphase) soll ein Leben lang beibehalten werden, es gelten weiterhin die 8 Grundregeln. Man soll langfristig auf die maßvolle Kohlenhydrataufnahme achten, die individuell ausgewählten Nahrungsmittel weiterhin bevorzugen und spätestens jetzt mehr Bewegung in den Tagesablauf bringen.

Die 8 Grundregeln

Außerdem gibt es 8 Grundregeln, die besonders in Phase 2 eingehalten werden sollen. Pro Tag sind nur 3 Mahlzeiten erlaubt (Regel 1), die im Abstand von mindestens 5 Stunden eingenommen werden sollen (Regel 2). Eine Mahlzeit darf nicht länger als 60 min dauern (Regel 3) und mit 1-2 Bissen Protein begonnen werden (Regel 4). Pro Mahlzeit darf nur eine Sorte Protein gegessen werden, zu jeder der drei Mahlzeiten aber eine andere (Regel 5). Nach 21 Uhr soll möglichst nicht mehr gegessen werden (Regel 6). Die errechnete Menge an Wasser soll über den Tag verteilt getrunken werden (Regel 7), als Faustregel gilt 35 ml pro kg Körpergewicht (bei mir waren das fast 3 Liter, was ich sehr viel finde - die DGE empfiehlt in meinem Alter 1,4 Liter). Das Obst gibt es erst am Ende der Mahlzeit und 1 Apfel pro Tag ist Pflicht (Regel 8).

Vorteile

  • Es gibt einen konkreten Plan, an dem man sich "festhalten" kann.
  • Die Lebensmittelauswahl ist gesund und relativ ausgewogen (es sind z. B. auch Kohlenhydrate erlaubt).
  • Während der Abnahme wird man von einem Berater in Einzelgesprächen betreut, beraten und motiviert (es wird aber kontrovers diskutiert, ob die Berater aber wirklich fachgerecht ausgebildet sind).
  • Die Stoffwechselumstellung soll Beschwerden wie Bluthochdruck und Typ-II-Diabetes verbessern, die Leistungsfähigkeit erhöhen, Schlafbeschwerden lindern, das Hautbild verbessern und verspricht einen Energiezuwachs.
  • rasche (aber nicht zu schnelle) Gewichtsabnahme
  • Das Stoffwechselprogramm kann ein Einstieg in eine gesündere und schlankere Lebensweise sein.

Verlaufskontrolle meiner Werte (in Woche 9 gab's keine Waagen, nur Cupcakes in New York).


Nachteile

  •  Das Programm ist wenig alltagstauglich. Zusammen kochen oder auswärts essen ist schwierig.
  • Viele Lebensmittel sind verboten, was zu Heißhunger führen kann (ich habe irgendwann angefangen von Torte zu träumen).
  • Die Portionen sind winzig. Auch an Gemüse darf man sich nicht satt essen.
  • Auf Dauer, also wenn man viel abnehmen will, ist die Lebensmittelauswahl etwas eintönig.
  • Bei strengen Programmen ist die Abbruchquote hoch und damit eine Zunahme und im schlimmsten Fall der Jo-Jo-Effekt vorprogrammiert.
  • Die Lebensmittelzuweisung ist nicht nachvollziehbar. Die Theorie hinter dem Konzept hält einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand, daher raten Experten davon ab.
  • Das Programm ist teuer, zwischen 300-600 € sollte man schon rechnen.

Mein typischer Metabolic-Balance-Tag

Ein typischer Tag sah mit meinem Ernährungsplan folgendermaßen aus:
  • Zum Frühstück gab es 190 ml Milch mit 30 g Haferflocken (235 kcal) ODER 190 g Naturjoghurt 3,5% mit 100 g Himbeeren (159 kcal).
  • Zum Mittagessen 75 g Beluga-Linsen mit 135 g Kräuterseitlingen, 1 1/2 EL Öl und 75 g Roggenvollkornbrot (432 kcal).
  • Zum Abendessen 135 g Salat mit 1 1/2 EL Öl (155 kcal) und 130 g Thunfisch (144 kcal) ODER 85 g Ziegenfrischkäse (122 kcal).
Insgesamt kam ich so pro Tag auf knapp 1000 kcal (das Beispiel hat zwischen 868 und 966 kcal) - also gerade mal die Hälfte des Richtwerts für meine durchschnittliche Kalorienzufuhr.

Fazit

Ich habe 2010 mit Metabolic Balance in nur 8 Wochen fast 9 kg abgenommen, konnte das verlorene Gewicht aber nicht lange halten und wog bereits kurze Zeit, nachdem ich abgebrochen hatte, mehr als zu Beginn des Programms. Ich habe es trotz aller Anfangsmotivation nie in die Phase 3 (gelockerte Umstellungsphase) geschafft, obwohl anfangs die Pfunde nur so gepurzelt sind. Mein Problem waren hauptsächlich die winzigen Portionen, ich war wochenlang nicht einmal richtig satt. "Überschaubar" war mein damaliges Lieblingswort, sowohl bezogen auf die Lebensmittelauswahl als auch auf die Portionsgröße. Nachdem ich das Programm abgebrochen hatte (nach 14 Wochen kurz vor Weihnachten), bin ich schnell in alte Gewohnheiten zurückgefallen und hatte die Pfunde ruckzuck wieder drauf. Sicher gibt es Leute, die mit Metabolic Balance ihr Zielgewicht erreicht haben und es möglicherweise sogar halten. Ich freue mich für jeden, der MB als sein persönliches Abnehmprogramm entdeckt hat, für mich war MB leider nicht das Richtige.
 

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