Dienstag, 5. Januar 2016

Clean Eating

Clean Eating ist keine klassische Diät, sondern eine Ernährungsweise, bei der es darum geht, möglichst nur natürliche und unverarbeitete Lebensmittel zu essen. Mit unverarbeitet ist aber nicht Rohkost gemeint, sondern vielmehr der Verzicht auf hochindustriell verarbeitete Produkte. Das Ziel von Clean Eating ist, natürliche und frische Zutaten gesund zuzubereiten und auf synthetische Zusatzstoffe, Süßstoffe, Zucker, Farbstoffe, Aromastoffe, Geschmacksverstärker und allgemein "künstliche" Fertiglebensmittel zu verzichten. Als Faustregel gilt: Je kürzer die Zutatenliste, desto besser. Lebensmittel mit mehr als 5 Inhaltsstoffen sind in der Regel nicht clean. Das kommt dir irgendwie alles bekannt vor? Richtig! Clean Eating ist kein neues Konzept - es ist mehr oder weniger die gute alte Vollwertkost der 1970er und 1980er in einem sexy modernen "Kostüm" - und das ist keinesfalls abwertend gemeint.

Lebensmittel mit mehr als 5 Inhaltsstoffen sind in der Regel nicht clean. Das ist übrigens die Ernährungsinfo einer Fertigpizza.

Die gute alte Vollwertküche - sexy und modern

Meine Eltern waren in den 1980er Jahren treue Anhänger der Vollwertküche. Wir haben Sprossen gezüchtet, eigenes Bio-Vollkornbrot gebacken, Milch direkt beim Bauern geholt und jede Mahlzeit frisch zubereitet. Dosenfutter? Fast Food? Fehlanzeige. Süßkram war eher die Ausnahme. Wenn ich mir so die alten Vollwertkostkochbücher aus der Zeit anschaue, die noch bei meinen Eltern in der Bibliothek stehen, finde ich sie doch sehr dogmatisch und teilweise ganz schön abschreckend. Umso erfreulicher, dass diese Art der vollwertigen Ernährung - leicht aufgemotzt unter dem schicken Namen Clean Eating - gerade ein Comeback erlebt und zum Megatrend in allen möglichen Blogs, Foren und sozialen Netzwerken mutiert. Den Begriff hat die kanadische Ernährungsberaterin Tosca Reno in ihrem bereits 2007 erschienen Buch The Eat-Clean Diet: Fast Fat Loss that lasts forever! geprägt, von dem mittlerweile eine Neuauflage und mehrere Folgebücher erschienen sind, allerdings alle in Englisch. Das Warten hat aber bald ein Ende, im Dezember erscheint das Original auf Deutsch: Die Eat-Clean Diät. Das Original: Der New York Times Bestseller. Lesenswert finde ich auch ihr Buch die Start Here Diet, bei dem es neben dem Clean Eating auch viel um Essverhalten und Ernährungspsychologie geht.

Clean Eating ist für absolut jeden geeignet

Das Schöne an Clean Eating ist, dass es prinzipiell für jeden geeignet und alle Nahrungsmittelgruppen erlaubt sind, auch Kohlenhydrate (die beispielsweise für mein Wohlbefinden sehr wichtig sind, gerade wenn es auf die kalte Jahreszeit zugeht - Kohlenhydrate machen einfach glücklich!). Im Vordergrund stehen unverarbeitete, natürliche Rohstoffe - gerne regional, saisonal und in Bioqualität - wie Gemüse, Salat, Obst, Vollkornprodukte, Fisch, Fleisch und Naturmilchprodukte - wobei letztere je nach Auffassung und Auslegung des Konzepts teilweise als nicht clean gelten und dann durch pflanzliche Alternativen (z. B. Mandelmilch, Soja-Joghurt) ersetzt werden sollten.

Welche Lebensmittel sind clean?

Es gilt nun zu entscheiden, welche Lebensmittel auf den Speiseplan kommen dürfen. Dafür hat Tosca Reno einige einfache Regeln formuliert:

Do's

  • Frühstücke!
  • Iss 5-6 kleine Mahlzeiten über den Tag
  • Kombiniere komplexe Kohlenhydrate fettarmes Protein möglichst in jeder Mahlzeit
  • Iss bewusst und genügend gesunde Fette
  • Trink jeden Tag ausreichend Wasser (ca. 2-3 L)
  • Iss reichlich frisches Obst und Gemüse
  • Bereite dein Essen selbst zu und plane

Don'ts

  • Vermeide Softdrinks und gesüßte Getränke
  • Vermeide Lebensmittel mit Zusatzstoffen, künstlichen Süßstoffen und gesättigten Fetten
  • Vermeide Fertiggerichte, Junk- oder Fast Food und Diätgerichte
  • Vermeide Lebensmittel, die Zucker oder einfache Kohlenhydrate (z. B. Weißmehl) enthalten
  • Vermeide, so gut es geht, hochkalorische Lebensmittel mit wenig Nährwert
  • Achte auf die Portionsgröße
  • Alkohol nur in Maßen

Oft heißt es auch, esse nichts, wovon du den Namen nicht aussprechen kannst bzw. nichts, was deine Großmutter nicht auch gegessen hätte. Über letzteres wird allerdings gerne in Foren diskutiert, da z. B. Quinoa oder die meisten Superfoods unseren Großmüttern wohl eher kein Begriff war.

Und was habe ich davon, "rein" und "natürlich" zu essen? 

Letztlich ist es ein Win-Win-Win-Situation: Wer regionale und saisonale Produkte bevorzugt, schont durch kurze Transportwege die Umwelt, stärkt die regionale Wirtschaft und hat ein oftmals günstigeres und geschmacklich besseres Lebensmittel auf dem Tisch als wer Importware kauft. Indem ich allgemein weniger Fleisch esse, reduziere ich die Umweltbelastung und mit Fleisch aus extensiver Weidehaltung setze ich mich aktiv für eine artgerechte Tierhaltung und die Aufrechterhaltung des gesamten Ökosystems ein. Daher lieber weniger, dafür besseres und teureres Fleisch kaufen und essen. Es lohnt sich in jeder Hinsicht. Und last but not least tue ich meiner eigenen Gesundheit etwas Gutes, wenn ich naturbelassene Lebensmittel bevorzuge, auf Qualität achte und den Großteil meiner Mahlzeiten selbst zubereite. Zudem versprechen die Clean-Eating-Anhänger eine Gewichtsabnahme wie von selbst, reinere Haut, mehr Energie und Leistungsfähigkeit, einen flachen Bauch, eine bessere Konzentrationsfähigkeit, eine bessere Verdauung und eine Stärkung des Immunsystems. Für viele von ihnen ist Clean Eating weniger eine Ernährungsweise, sondern vielmehr eine Lebenseinstellung.

Lieber weniger, dafür besseres, teureres Fleisch kaufen und essen. Es lohnt sich in jeder Hinsicht.

Weiterlesen bei Urgeschmack: Sollten wir Fleisch essen? 5 Gründe Pro und Kontra - http://www.urgeschmack.de/sollten-wir-fleisch-essen-5-gruende-pro-und-kontra/

Fazit

Clean Eating entspricht größtenteils den Empfehlungen der guten alten Mischkost wie sie auch in den 10 Regeln der DGE zu finden sind, ist prinzipiell für jeden geeignet und daher aus ernährungswissenschaftlicher Sicht sehr empfehlenswert. Das Risiko, sich mit diesem einfachen Konzept unausgewogen zu ernähren, ist sehr gering. Möglicherweise sind 6 kleine Mahlzeiten am Tag nicht für jeden optimal, aber Clean Eating ist flexibel und nicht so dogmatisch wie die Vollwertkost der 1980er Jahre - jeder kann sich rauspicken, was gut für ihn ist. Auch zu 80% clean zu essen ist schon viel wert! Die Empfehlung auf regionale und saisonale Produkte in Bioqualität zu achten, ist gesund und tut gleichzeitig noch der Umwelt etwas Gutes. Für die von den Clean-Eating-Anhängern versprochenen Effekte und Erfahrungsberichte gibt es allerdings keine wissenschaftlichen Belege. Da hilft dann wohl nur ausprobieren!

Interessante Links zu Clean Eating Blogs

http://www.toscareno.com/ 
http://www.projekt-gesund-leben.de/
http://www.eattrainlove.de/ 
http://juliefeelsgood.de/
http://www.balance-akt.de/
 

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