Dienstag, 5. Januar 2016

Detox und der Mythos von den bösen Schlacken

Detoxen bedeutet im übertragenen Sinne "Entgiften". Wer detoxt, verzichtet mindestens einen Tag auf übersäuernde Lebensmittel wie Fleisch, Milchprodukte oder Käse, Weißmehl, Süßigkeiten, Alkohol, Nikotin und Kaffee. Oft dauert eine Detoxkur mehrere Tage und startet mit einer Darmentleerung (nur bedingt empfehlenswert) und ggf. 1-2 Entlastungstagen, an denen z. B. nur Obst und Gemüse verzehrt werden darf. Auch an den Folgetagen wird hauptsächlich Obst und Gemüse gegessen, die Ernährung ist also sehr ballaststoffreich.

Die Vorstellung von Schlacken entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage - Es gibt sie nicht!

Häufig werden unterstützende Maßnahmen wie Massagen, Trockenbürsten, Leberwickel, moderate Bewegung, Bäder, Sauna, Yoga oder Pilates empfohlen. Die Belohnung für den Verzicht sollen z. B. neue Energie, strahlende Haut, Haare und Nägel, ein gestärktes Immunsystem und vielleicht das eine oder andere Pfündchen auf den Rippen weniger sein. Oft wird Detoxen im Sprachgebrauch mit Fasten oder Entschlacken gleichgesetzt. Aber muss man seinen Körper tatsächlich entgiften und gibt es diese ominösen Schlacken wirklich?

Der Darm ist kein Ofenrohr

NEIN!!! Verdammt!!! Es gibt sie nicht!!! Wenn ich schon das Wort Schlacke in Verbindung mit Ernährung höre, geht mir sofort die Hutschnur hoch. Schlacke ist die Abfallmasse, die bei einem Schmelzprozess oder bei der Verbrennung von Steinkohle übrigbleibt. Schlacken gibt es nicht. Basta. So lange mir niemand einen fundierten wissenschaftlichen Beweis inklusive klinischer Studie oder Strukturformel für die Schlacke liefern kann, weigere ich mich vehement an Schlacken zu glauben. Natürlich könnte man jetzt argumentieren, dass nur weil man etwas nicht sieht, es noch lange nicht heißt, dass es nicht möglicherweise doch da ist. Aber sollte unser Körper wirklich so dumm und Millionen Jahre damit durchgekommen sein? Wohl eher nicht. Ein gesunder menschlicher Körper verfügt über unzählige natürliche Entgiftungsmechanismen: Die Leber ist unser wichtigstes "Entgiftungsorgan" und nicht verwertbare Stoffe scheidet der Körper über den Darm und die Nieren wieder aus. Schlacken beruhen auf der falschen Vorstellung von Otto Buchinger, dass der Verdauungstrakt wie ein Ofenrohr regelmäßig gereinigt und entschlackt werden müsse. Er ließ dabei aber außer Acht, dass der Darm kein starres Rohr ist, sondern Muskeln ihn ständig in Bewegung halten. Die Darmmukosa (Schleimhaut) bildet - wie der Name schon sagt - Schleim und hilft so dem Nahrungsbrei sich fortzubewegen. Zudem stößt sie regelmäßig Zellen ab, sodass sich garantiert nichts festsetzt.

Viele Detox-Produkte entschlacken nur den Geldbeutel

Schlacken-Befürworter sehen in den körperlichen Reaktionen auf das Fasten jedoch den Beweis, dass es diese Giftstoffe gibt und der Körper sie loswerden kann. Zwar fühlen sich Körper und Kopf tatsächlich oft nach einigen Tagen Detox (oder Fasten) leicht und frei an. Das liegt jedoch nicht an den ausgeschwemmten Giftstoffen, sondern daran, dass der Körper in Notlagen wie Nahrungsmangel oder Verletzungen Endorphine ausschüttet, die ihm Glücksgefühle bescheren. Wenn sich beim Detoxen der Körpergeruch verändert, dann ist das ein alarmierendes Zeichen, dass sich der Körper im Hungerstoffwechsel befindet. Auch viele Detox-Produkte wie Tees, Shampoos, Nahrungsmittelergänzungsprodukte und Pflaster scheinen reiner Humbug zu sein. Bei Entgiftungspflastern sorgen chemische Reaktionen im Pflaster - ausgelöst durch Schweiß oder Feuchtigkeit - für die Änderung der Farbe und nicht die Gifte aus dem Körper. Es ist Vorsicht geboten: Detox-Produkte und Detox-Kuren "entschlacken" oft nur den Geldbeutel.

Urlaub vom Essen kann eine Erhohlung für den Körper sein

Entgiften, um Gifte oder alte Stoffwechselprodukte loszuwerden, ist ein Mythos. Trotzdem sind viele Punkte des Detox-Konzepts aus ernährungswissenschaftlicher Sicht zu empfehlen. Eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Gemüse, Salat und Obst ist gesund, in Maßen Alkohol und Kaffee, dafür weniger Fleisch, Weißmehl, verarbeitete Lebensmittel und Zucker - darin sind sich Schulmedizin und alternative Medizin durchaus einig. Schädlich sind kurze Detox-Kuren (maximal 1-2 Wochen) nicht, bügeln möglicherweise die eine oder andere kleine (!) Ernährungssünde aus und können zu einem besseren Körperbewusstsein verhelfen. Öfters mal Urlaub vom (ungesunden) Essen kann durchaus eine Erhohlung für den Magen-Darm-Trakt und den ganzen Körper sein. Wer aber glaubt, eine siebentägige Fastenkur kann die Schweinkram-Ernährung eines ganzen Jahres ausgleichen, der ist schief gewickelt. Trotzdem kann eine Detox-Kur ein super Einstieg in eine gesündere Ernährungsweise sein. Also warum nicht?
 
Liebe Grüße
Antonie

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...