Dienstag, 5. Januar 2016

Eat, Fast and Live Longer

BBC-Doku "Eat, Fast and Live Longer"
Intermittierendes Fasten hat 2012 in England mit der BBC-Doku "Eat, Fast & Live Longer" große Wellen geschlagen, die gerade erst so langsam in Deutschland ankommen. In der Doku geht der britische Arzt Michael Mosley der Frage nach, ob Kalorienrestriktion die Lebenserwartung erhöhen kann. Er ist vom intermittierenden Fasten und den gesundheitlichen Wirkungen so begeistert, dass er es selbst ausprobiert, in beeindruckender Weise abnimmt und seinen Gesundheitszustand verbessert. Längere Fastenperioden (4 Tage am Stück) und das alternierende Fasten (1 Tag fasten, 1 Tag essen) waren Mosley aber zu anstrengend und nicht alltagstauglich genug. Daher entwickelte er im Anschluss an die BBC-Doku The Fast Diet, ein Programm, das dieselbe Wirkung erzielen soll, ohne dass man sich dabei allzu sehr quälen muss. Es ist eine Art Teilzeit-Diät: an 5 Tagen der Woche darf man essen was man möchte (auch Fast Food, Kuchen, Chips etc.), an 2 Tagen werden die Kalorien auf 500 kcal für Frauen und 600 kcal für Männer reduziert.

Ernährung hat wohl großen Einfluss auf unseren Alterungsprozess

Unsere Gene scheinen eine große Rolle zu spielen wie und vor allem wie schnell wir altern. Leider können wir an unseren Genen nichts ändern, wohl aber an unserer Ernährung, die wohl ebenfalls einen großen Einfluss auf unseren Alterungsprozess hat. Einige aktuelle US-amerikanische Studien bringen die Ernährung ganz klar mit einem langen gesunden Leben in Verbindung. Nur nur was, sondern auch wie und was wir essen ist entscheidend. Ein Beispiel aus dem Film: Während der großen Depression in den 1930er Jahren ging die Lebenserwartung um 6 Jahre nach oben, obwohl es den Leuten schlecht ging, sie nichts zu essen hatten. Unerklärlich? Wissenschaftler z. B. um Valter Longo (Prof. für Gerontologie, University of Southern California) haben gezeigt, dass sich die Lebenserwartung von Mäusen signifikant verlängern lässt, wenn man im Rahmen einer nährstoffreichen Diät ihre Kalorienzufuhr reduziert. Den Rekord hält eine neue genetisch veränderte Mäusespezies, die sehr geringe Mengen des Wachstumshormons IFG-1 produziert und bis zu 40% länger als ihre normalen Mäusekollegen lebt. In Menschenjahren wären wir etwa bei einer Lebenserwartung von 120 Jahren. IGF-1 regt das Zellwachstum an, die Zellen teilen sich. Wenn der IGF-1-Spiegel gering ist, geht die Zelle aber in einen anderen Modus: Die Produktion neuer Zellen wird verlangsamt und dafür repariert der Körper vorhandene Zellen. Dadurch kann der Körper Schäden an der DNA (Erbgut) beheben und dadurch sind die Mäuse geschützt vor altersbedingten Erkrankungen. Aber wo besteht der Zusammenhang zur Kalorienproduktion? Essen wir viel Protein, schaltet der Körper in den Zellproduktionsmodus. Kommt der Körper nicht dazu Schäden zu beheben, sind wir anfälliger für Krebs und Diabetes. Wir müssen also nicht nur Kalorien, sondern auch Proteine sparen (ganz auf Proteine verzichten ist aber keine gute Idee!).

Fasten lässt das Wachstumshormon IGF-1 senken

Mosley macht den Selbstversuch und fastet 3 1/2 Tage am Stück. Er nimmt weniger als 100 kcal pro Tag auf, ausschließlich in Form von Flüssigkeit (Wasser, Tee, Kaffee, Gemüsebrühe). Klinische Studien haben bestätigt, dass innerhalb von 24 h der Blutzzuckerspiegel und das Wachstumshormon IGF-1 sinkt und Mosleys Werte machen keine Ausnahme. In nur 3 Tagen konnte er damit das Risiko für alle möglichen altersbedingten Erkrankungen senken. Aber einmal im Monat für ein paar Tage fasten? Kalorien dauerhaft reduzieren? Anstrengend - findet Mosley und findet eine andere Variante der Kalorienreduktion in Chicago. Dr. Christa Varady forscht auf dem Gebiet des intermittierenden Fastens. Ihr Ansatz heißt alternierendes Fasten: einen Tag wird die Kalorienzufuhr auf ein Minimum reduziert (25% ihren Energiebedarfs), am nächsten Tag darf absolut alles gegessen werden. Die Probanden verloren an Gewicht, Blutzuckerwerte normalisierten sich, die Triglyceridwerte und das Cholesterin (LDL) gingen runter. Das überraschende Ergebnis: Es machte keinen Unterschied in Bezug auf die Blutfettwerte, ob die Probanden sich am Nicht-Fasten-Tag fettreich oder fettarm ernährte. Außerdem hatten die Wissenschaftler damit gerechnet, dass die Probanden überkompensieren und nach dem Fastentag 175% ihres Energiebedarfs verputzen. Tatsächlich waren es aber nur 110%, sodass die Energiebilanz für die Abnahme stimmte.

Bringt Fasten mehr als tägliches Kalorienzählen?

Fasten könnte auch Alzheimer, Demenz und Gedächtnisverlust positiv beeinflussen. Prof. Mark Mattson (National Istitute of Aging, Baltimore) forscht an Mäusen, die genetisch so programmiert sind, dass sie schnell Alzheimer entwickeln. Lässt er die Mäuse alternierend Fasten, bekommen sie erst viel später Alzheimer (in Menschenjahren erst mit 80 Jahren anstatt mit 50 Jahren). Die Forscher haben das Gehirn der fastenden Mäuse untersucht und folgendes entdeckt: Hungert die Maus zwischendurch, bildet das Gehirn neue Zellen (Neuronen). Fasten scheint eine Art Training für das Gehirn zu sein (Bildung neuer Gehirnzellen), so wie Sport neue Muskelzellen bildet. Mosley will das Fasten ausprobieren, aber jeden zweiten Tag ist ihm zu anstrengend. Also entscheidet er sich für die 5:2-Methode und nahm damit in 5 Wochen gut 6 Kilo ab, reduzierte seinen Körperfettanteil von 27 auf unter 20% und konnte seinen Stoffwechsel enorm verbessern: sein IGF-1 halbierte sich, der Glucosespiegel normalisierte sich und sein Cholesterinwert sank. In seinem Fall funktionierte das intermittierende Fasten großartig, jetzt ist es an der Zeit in großangelegten klinischen Studien allgemeingültige Aussagen zu gewinnen.

Fazit

Die BBC-Doku "Eat, Fast and Live Longer" fand ich wahnsinnig faszinierend. Es ist eine echte Dokumentation, die nüchterne Fakten sehr spannend verpackt. Ich hatte im Studium zwar schon mal am Rande gehört, dass eine Kalorienrestiktion die Lebenserwartung erhöhen kann, aber die genauen Zusammenhänge habe ich erst jetzt so richtig verstanden. Besonders beeindruckend war für mich auch die Auswirkung des Fastens auf die geistige Leistung und die Senkung des Demenzrisikos. Wenn sich nur die Hälfte der Ergebnisse der Tierversuche auf den Menschen übertragen lassen, wäre das absolut bahnbrechend. Absolut sehenswert!

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