Dienstag, 5. Januar 2016

Die Fettmacher - Wie wir dazu verführt werden, immer mehr zu essen. Teil 2: Verhängnisvolle Portionsgrößen (UK 2012)

Verhängnisvolle Portionsgrößen
Wir leben in einer Gesellschaft des Überflusses, das ist nichts Neues. Manche Wissenschaftler sprechen auch von einer "toxic food environment", also einer schädlichen Lebensmittelumgebung. Schneller, größer, billiger - in unserer Gesellschaft ist Essen jederzeit überall erhältlich und sparen heißt mehr für sein Geld bekommen. Die wachsenden Portionsgrößen sind Dauerthema der letzten 25 Jahre.

David Wallerstein hat in den USA 1964 das Super-Sizing erfunden. 1967 hatte er als Filialleiter einer Kinokette eine Idee: Sicher könnte man viel mehr verdienen, wenn man die Popcorngrößen größer macht. Am teuersten war sowieso die Verpackung und für ein bisschen mehr Geld bekam der Kunde eine viel größere Tüte und hatte so das Gefühl ein gutes Geschäft gemacht zu haben. Wallerstein galt nun als Marketing-Genie und wurde von McDonalds angeworben. Die Fast-Food-Ketten übernahm das Super-Sizing und führte 1972 eine neue Portionsgröße Pommes Frites ein - "mit schwerwiegenden Folgen". Die Leute hatten das Gefühl, für die größere Tüte nicht so viel bezahlen zu müssen wie für zwei Tüten und waren begeistert. Andere Fast-Food-Ketten übernahmen die Idee.

Ratten entwickelten eine Fast-Food-Abhängigkeit

Das Interessanteste an dem Film waren in meinen Augen die Rattenversuche. In einer Studie zu Appetit und Verhalten wollten die Forscher Ratten möglichst schnell mästen. Das funktionierte aber mit ihrer normalen Ernährung aus gepresstem Getreide und Früchten nicht so, wie sie sich das vorstellten. Daher gaben sie ihnen Fast Food und Süßigkeiten, also Nahrung mit einem hohen Zucker- und Fettgehalt. Die Ratten nahmen explosionsartig zu, da sie plötzlich viel mehr fraßen. Die Forscher beobachteten zudem, wie die Ratten eine Art Abhängigkeit entwickelten. Wurde ihnen das Fast Food vorenthalten, bekamen sie schlechte Laune und um daran zu kommen, nahmen sie sogar schmerzhafte Stromschläge in Kauf. Dies hat biologische Ursachen: Wie wir Menschen sind Ratten darauf gepolt, kalorienreiche Nahrung zu bevorzugen. So sichern sie ihr Überleben in Phasen der Nahrungsknappheit.

Je größer die Tüte, umso mehr essen wir

Wenn wir nur wenig davon essen und sie nicht ständig verfügbar sind, ist an Zucker und Fett nichts verkehrt. Aber es fällt schwer, ihnen zu widerstehen, wenn sie uns überall begegnen. Studien aber zeigen, dass wir mehr essen, wenn die Portionen größer sind, besonders wenn es sich um fett- und zuckerreiche Nahrung handelt (kalorienreiche Nahrung mit hoher Energiedichte). Genauso verhält es sich mit Snacks: Die Portionsgröße, also z. B. die Chipstüte, suggeriert, dass es ok ist, diese Menge zu essen. Je größer die Tüte war, umso mehr aßen die Probanden. Und gleichzeitig sparten die Studienteilnehmer bei den folgenden Mahlzeiten nicht ein. Daher scheint man wenn man zwischendurch zu viel ist, auch mehr Kalorien zu sich zu nehmen.

Fazit

Während der erste Teil der DVD noch auf einer guten wissenschaftlichen Basis stand, ist der Tenor des zweiten Teils etwas reißerischer. Verteufelt wird die Lebensmittelindustrie, die "unser Essverhalten verändert und jahrzehntelang bewusst gesteuert hat. Sie ist es, der wir die Volkskrankheit Übergewicht zu verdanken haben." Davon abgesehen: Die Rattenversuche finde ich bemerkenswert und wenn man den Film weniger als hochwissenschaftliche Doku und mehr als Unterhaltung betrachtet, ist er auf jeden Fall sehenswert.

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