Dienstag, 5. Januar 2016

Die Fettmacher - Wie wir dazu verführt werden, immer mehr zu essen. Teil 1: Warum Zucker süchtig macht (UK 2012)

Warum Zucker süchtig macht
Zwei Drittel der Männer in Deutschland haben Übergewicht sowie mehr als die Hälfte der Frauen. Knapp 1/4 beider Geschlechter ist adipös, hat also einen BMI über 30 und gilt als fettleibig. "Die Industrie hat in den vergangenen 40 Jahren unsere Lebensmittel grundlegend verändert - und damit auch unsere Figur. [...] Wer behauptet, man sei selbst schuld, liegt falsch. Alle Studien beweisen das Gegenteil." Interessant...

Alles begann mit weitreichenden politischen Entscheidungen der 70er Jahre in den USA. Die Hausfrauen protestierten gegen steigende Lebensmittelpreise und Richard Nixon stand kurz vor dem Wahljahr und brauchte ihre Stimmen. Sein Landwirtschaftsminister Earl Butz restrukturierte daher die Landwirtschaft: Riesige Farmen sollten preiswerte Lebensmittel in Massen herstellen. Gesagt, getan. Die Landwirte produzierten jedoch Überschüsse trotz Export, wohin also mit dem ganzen Mais?

Maissirup als billiger Saccharose-Ersatz

Laut der BBC-Doku war es der Anfang vom Ende, dass zeitgleich japanische Wissenschaftler ein Verfahren entwickelten, mit dem man aus Mais Maissirup herstellen konnte. Der Maissirup (High-Fructose Corn Syrup, Glucose-Fructose-Sirup) war um einiges billiger als Saccharose (Haushaltszucker) und wurde daher für die Lebensmittelindustrie interessant. Er wurde nicht nur vielen Fertiggerichten im Austausch für Saccharose zugesetzt, auch die Getränkeindustrie erkannte das Potenzial des billigen Zuckers: Lässt sich bei jeder Cola-Dose nur ein Bruchteil an Rohstoffkosten sparen, sind das hochgerechnet Milliardengewinne. Und es werden immer mehr Soft Drinks verkauft: Der Konsum hat sich in den letzten 3-4 Jahrzehnten verdoppelt und schlägt auch beim Zuckerkonsum zu Buche: Jeder Deutsche konsumiert ca. 40 kg Zucker pro Jahr, als unbedenklich gelten < 20 kg.

Fructose ist natürlicherweise in Obst und Gemüse enthalten und in dieser Form nicht schädlich. Ganz anders verhält es sich mit der isolierten und hochkonzentrierten industriell hergestellte Fructose. Das Problem: Fructose unterdrückt die Wirkung des Sättigungshormons Leptin. Belastet man den Körper mit zu viel Fructose, wie z. B. durch den regelmäßigen Konsum von Softdrinks, wird die Leber unempfindlich gegenüber Leptin. Vereinfacht ausgedrückt: Zu viel isolierte Fructose unterdrückt das Sättigungsgefühl.

Fazit

Lange Zeit galt Fett als der "Teufel im Essen", man denke nur an die vielen Low-Fat-Diäten. Der Film regt zum Nachdenken an: Ist möglicherweise Zucker der Feind? Ich hätte mir zwar mehr Informationen gewünscht, welche Mechanismen genau dafür verantwortlich sind, warum Zucker süchtig machen kann. Trotzdem war der Film spannend gemacht und steht auf einer wissenschaftlichen, wenn auch etwas oberflächlichen Basis. Ein Satz hat mich besonders zum Nachdenken angeregt: "Die Frage ist nicht, warum so viele Menschen fettleibig werden, sondern vielmehr, warum andere in der gleichen verführerischen Umgebung dünn bleiben." Tja, das ist die große Frage...

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